Suche nach einem Winterquartier

P1090460Wir suchen aktuell nach einem Winterquartier, in dem wir von Dezember 2015 bis März 2016 bleiben können. So einfach ist das leider nicht, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir haben aktuell 27 Häfen angeschrieben, natürlich auf französich 🙂

Zu erst kamen ein paar Absagen, dann Zusagen jedoch für ziemlich viel Geld oder nicht den kompletten Zeitraum.

Viele haben sich bislang noch gar nicht gemeldet.

Aktuell sind wir jedoch in näherem Kontat mit dem Hafen von Cap d’Agde. Das sieht ganz gut aus… mal sehen, ob wir dort einen Vertrag für den Zeitraum bekommen werden…drückt uns die Daumen.

Ile Porquerolles

P1090288Wir liegen in der Bucht Courtade östlich des Hafens der schönen Insel Porquerolles. Die Insel liegt vor der franz. Mittelmeerküste im Bereich der Côte d’Azur in der Nähe von Toulon. Sie ist 7,5 km lang, 3 km breit und hat ca. 350 Einwohner.

Wir wollen uns hier die kommenden Tage mit unseren Freunden von der SY IMAGINE treffen. Die Bucht ist mit weiteren Seglern und Motorbooten gut besucht. Das stört uns jedoch nicht weiter, haben wir schließlich einen angenehmen Abstand zum nächsten Boot.

 

P1090293Es ist Sonntag (27.09.) und außer dass es heute wieder Kaffee an Bord der TRISKÈLE gibt, worüber sich Michael ja immer besonders freut, wollen wir an Land und uns die Beine etwas vertreten. Das Wetter lässt es zu, und somit paddeln wir mit unserem Dingi an den Strand, um weiter ins Dorf zu laufen. Bei der Gelegenheit entsorgen wir im Hafen auch gleich unseren Müll. Im Anschluss an den Hafen befindet sich das kleine Dorf mit einem schönen Dorfplatz mit Kirche, die wir dann auch kurz besuchen. Um den Dorfplatz herum finden sich kleinere Geschäfte, Eisdielen und Restaurants, die zu Inselpreisen ihre Ware anbieten. Wir finden ein paar kleinere Ateliers, die Gemälde ausstellen. Hier im Ort ist es sehr idyllisch und ruhig. Das Dorf ist Auto frei und zudem sind wir außerhalb der Hauptsaison. Nur wenige Touristen sind auf der Insel anzutreffen. Diese werden mittels der Fähre vom Festland hierher transportiert und verlassen die Insel meist mit der letzten Fähre wieder.
P1090277Vor ein paar Jahren waren wir schon einmal hier auf der Insel. Es war zu unserer Hochzeitsreise 2010. Wir hatten Klaus vor der Hochzeit kennengelernt und erzählten ihm, dass wir auf einen Segelurlaub sparen würden. Da er zufällig selbst segelte, hatte er uns zwei freie Plätze auf dem damals von ihm gecharterten Segelboot angeboten. Die Chemie hat einfach von Anfang an gestimmt und so landeten wir 2010 zum ersten Mal auf Porquerolles. Der Himmel zog sich zu und es schaute aus, als ob bald Regenschauer oder Gewitter heran nahen würden. Wir beschlossen daher nicht allzu weit zu laufen. Da Anja auch hier und da ein Malheur im Knie hat und keine weiten Touren machen kann, beschränkten wir uns auf das nähere Umfeld.

P1090280So besuchten wir „le Moulin du Bonheur“ und das „Fort Sainte Agathe“. Das Fort ist gut erhalten, bietet eine wunderschöne Aussicht und hat ein super Ambiente zum mittelalterlichen Musizieren. Wir denken darüber nach, hier einmal Musik zu machen.

Bevor wir den Rückweg auf unser Boot antreten, kaufen wir im kleinen Einkaufsladen am Dorfplatz noch Baguette und ein bisschen Gemüse ein.

Den Abend lassen wir gemütlich auf dem Boot ausklingen und freuen uns schon darauf, wenn Klaus mit seiner Mannschaft hier auftaucht.

Über Nacht nimmt der Wind zu und bläst mit etwa 6-8 Beaufort aus NE/E in die Bucht hinein. Die TRISKÈLE tanzt im Wind und wir mit ihr. Dann fängt es an zu regnen. Bei dem Wetter kommt Klaus heute bestimmt nicht, denken wir uns. Also verbringen wir den Tag an Bord und tun eigentlich nicht viel, denn durch das Geschaukel des Bootes ist nicht viel möglich. Wir machen einen gemütlich DVD-Abend.
P1090282Auch Dienstag und Mittwoch ändert sich die Wetterlage nicht großartig. Wir binden alles an Bord fest, was durch die Gegend fallen kann, wie so oft, wenn wir ungemütliche Ankerplätze haben. Und doch – nachts werden wir hier und da durch die in den Schabs hin und her rutschenden Dosen, Tassen, Tellern, Bestecke geweckt. Alles wird ausgestopft mit Hand-/Geschirrtüchern, bis einiger Maßen Ruhe einkehrt. Die Klamotten an den Haken wandern auf den Boden, da sie an der Innenwand hin und her scheuern. Nur das Holz quietscht und knarzt im Innern noch, der Wind pfeift durch das Rigg und die Wellen klatschen an das Boot heran. Diese Geräusche kann man leider nicht abstellen – wir müssen da durch. Bei dem Wetter kommt Klaus dann wohl auch nicht zu uns. Wir telefonieren aber und besprechen die Lage. Er teilt uns mit, dass sie es sogar versucht hatten, zu uns zu segeln. Nach 2 Stunden bei dem herrschenden Wind jedoch wurde deren Vorsegel in Stücke gerissen, und sie sind wieder zurück in den schützenden Hafen von Saint-Tropez eingelaufen. Oh je, die arme Crew!

Donnerstag lässt der Wind dann endlich nach. Evtl. könnte es heute mit dem Treffen etwas werden? Wir vermuten jedoch, dass die Crew noch einen Tag abwarten würde. Bei einem Ausguck vom Boot auf unser Dingi fällt Michael dann auf, dass das Sitzbrett vom Dingi weggeflogen ist. Es ist zumindest nimmer da und schwimmt leider auch nicht im Umkreis unseres Bootes umher. Was ein Mist! Wir müssen später an den Strand paddeln – ohne Sitzbrett – und auf die Suche gehen. Vielleicht haben wir Glück und es wurde an Land gespült. Das wäre natürlich super.

P1100145Noch während des Frühstückes ruft uns Klaus an. Sie sind gleich in der Bucht von Porquerolles, wo wir denn liegen würden. Wir schauen aus der Luke und wahrhaftig, da kommt die SY IMAGINE mit Crew in die Bucht gefahren. Sofort winken wir und rufen der Crew zu. So groß ist die Freude, alle wieder zu sehen! Sie kommen an unser Boot heran gefahren und teilen uns jedoch mit, dass sie im Hafen festmachen. Natürlich kommen wir später dort hin, sagen wir zurück. Vorher machen wir uns jedoch noch auf die Suche nach unserem verlorenen Sitzbrett.

Wir machen uns daher fertig und Michael paddelt auf den Knien mit Anja zum Strand rüber. Das geht auch, ist aber auf Dauer nichts. Beim Yachtzubehör-Händler versuchen wir noch eine Wellendichtung für unsere Toilette zu besorgen – Fehlanzeige.

P1100151Wir laufen zum Steg im Hafen und treffen auf Klaus, der uns gleich wieder drückt und herzlich in Empfang nimmt. Er hat uns den Platz neben seiner SY IMAGINE reserviert. Wir sollen schauen, dass wir mit unserer TRISKÈLE gleich neben ihnen festmachen. Somit könnten wir noch einmal zusammen den Resttag bzw. Abend verbringen, und er lädt uns auch gleich zum Abendessen ein.

Wir freuen uns sehr und machen uns auf dem Rückweg zum Dingi am Strand entlang, um das verlorene Sitzbrett zu suchen. Leider finden wir das Holzbrett nicht wieder.

P1090296Am Boot angekommen bereiten wir alles zum Anker-auf-Manöver vor – doch was nun? Der Motor will nicht anlaufen. Was ist passiert? Nach ein paar Versuchen läuft er, jedoch klemmt der Arretierknopf in der Schaltung des Gashebels. Michael muss da erst einmal mit Werkzeug und WD40 ran. Kurze Zeit später ist alles in Ordnung. Wir gehen Anker auf und fahren zu dem reservierten Platz im Hafen gleich neben die SY IMAGINE. Die Crew hilft uns natürlich beim Anlegen, da auch im Hafen der Wind bläst und das Rückwärtsfahren mit unserer TRISKÈLE nicht gerade einfach ist. Die Crew von Klaus möchte vor dem Abendessen wandern gehen. Wir jedoch bleiben auf dem Boot, denn wir haben hier im Hafen wieder die Gelegenheit Wasser zu tanken. Gesagt, getan. Wir füllen unsere Wassertanks sowie unsere Trinkwasservorräte auf.

P1100207Am Abend treffen wir uns an Bord der SY IMAGINE zum Abendessen. Es gibt lecker Sauerkraut mit Kassler und Kartoffeln und, und, und… . Wir verbringen einen schönen, fröhlichen Abend zusammen. Es wird gesungen, gelacht und gequasselt. Wir fühlen uns einfach sau wohl!

Doch auch der schönste Abend geht zu Ende. Am nächsten Morgen treffen wir uns nochmals zum letzten Mal zum Frühstück bevor beide Crews sich zum Auslaufen Start klar machen. Es ist wolkig und regnet ordentlich. Bei der Fahrt nach Hyères werden wir gut nass werden und ziehen daher die Schwerwetterkleidung an. Klaus mit Crew wird den Rückweg nach Bormes-les-Mimosas antreten und am Samstag wieder zurück in die Pfalz fahren. Eigentlich wollen wir alle uns nicht verabschieden. Denn Abschied heißt für uns in dem Fall, dass wir uns nun eine ungewisse Zeit nicht mehr sehen werden. Doch es gibt kein Drumherum, leider. Die Crew der SY IMAGINE wird vor uns den Hafen verlassen. Ein letztes Mal versuchen die Fassung zu bewahren und nicht anzufangen zu heulen, vergebens. Wir wünschen uns gegenseitig alles Gute, sichern ein Wiedersehen gleich egal wo zu und drücken uns nochmals herzlich.

P1090330Gegen Nachmittag geht es leider los. Wir beide stehen auf unserer TRISKÈLE am Bug im Regen, winken zum Abschied und sehen zu, wie Klaus mit Crew (Evi, Petra, Nane, Hartmut und Frederic) aus dem Hafen fährt. Nicht zu fassen, wir heulen was geht und winken unseren Freunden noch lange zu.

Wieder ein schmerzhafter Abschied für uns!

Au revoir la Corse

Als wir an der Tankstelle von Calvi/ Korsika die TRISKÈLE mit 150 Litern Diesel betankt hatten, waren wir aufgeregt. Lange war es her, dass wir eine Überfahrt geplant hatten und über Nacht gefahren sind.

Es liegen ca. 115 Seemeilen vor uns bis nach Porquerolles, unserem nächsten Ziel. Wir kalkulieren ca. 20 Stunden ein. Der Wind bläst mit 5 Beaufort aus NE. Wenn er die Stärke behält, sollten wir gegen Mittag des Folgetages am Bestimmungsziel sein. Sollte der Wind zunehmen, kämen wir früher an. Wir gehen jedoch davon aus, dass der Wind über Nacht und auf offener See abschwächt.

Diese Fahrten über Nacht sind immer wieder aufregend und spannend. Weiß man ja nie was auf einer so langen Fahrt alles passiert. Wir sind auf uns allein gestellt, wenn wir nachts alleine Wache halten und die TRISKÈLE steuern.

P1090776Um 14:30 Uhr machen wir die Leinen los und werfen nochmals einen Blick zum Steg, an dem die SY IMAGINE noch festgemacht hat. Dort steht natürlich, wie insgeheim gehofft, Klaus und winkt uns zum Abschied zu. Wieder kommen Gefühle von Rührung, Freude und Traurigkeit in uns auf, Tränen kullern über unsere Wangen. So schön war es mit unseren Freunden hier auf der Insel Korsika zusammen den Abend und den nächsten Morgen zu verbringen. Wir hatten so viel Spaß zusammen. Nun trennen wir uns für ein paar Tage. Die Vorfreude auf das Wiedersehen ist aber groß.

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Michael lenkt bei Gegenwind die TRISKÈLE aus dem Hafen. Wir sehen die uns entgegenkommenden, brechenden Wellen und steuern noch anfangs unter Motor das Boot die Wellen hoch und ab, bis wir aus der Bucht heraus sind. Dann setzen wir das Großsegel im 2. Reff und die Arbeitsfock und schwingen uns auch in die Schwerwetterkleidung. Der Wind bläst eine lange Zeit aus NNE mit 5 Beaufort, die Sonne scheint. Wir haben Halbwind, die TRISKÈLE läuft bis zu 7,5 kn die 2 m hohen Wellen hinunter. Eine rasante Fahrt wird das, sodass Anja bei dem Wellengang und bei der Geschwindigkeit leider nicht die Schleppangel auspacken kann. Zu gerne hätte sie wieder Jagt auf ein paar Makrelen gemacht. Vielleicht klappt es später mit dem Fischen, denkt sie sich und ist vom Jagdfieber gepackt.

P1090227Bis 30 Seemeilen von der Küste von Korsika weg bleibt der Wind in der Stärke, die Dunkelheit bricht herein. In der Dunkelheit fischen wir nicht, da es mit der Angelschnur beim Einholen nur ein Kauderwelsch und tausende von Knoten geben würde. Also ginge es frühestens wieder nach Sonnenaufgang. Zum Glück schwächt der Wind etwas ab, die Wellen werden angenehmer, und wir schieben nicht mehr so arg Schräglage.

Die Sonnenuntergänge auf dem Meer sind magisch und ziehen unsere Blicke immer wieder in den Bann. Heute Abend wird vorerst unser letzter Sonnenuntergang auf dem offenen Meer sein. Diesen Moment versuchen wir so lange wie möglich in unsere Herzen aufzusaugen und zu genießen. Solche Momente dürften einfach nie zu Ende gehen! Dann wird plötzlich die Reise wieder so schön und unendlich, wenn die Sonne im Meer versinkt. Hinter uns kommt der Vollmond zum Vorschein. Welch atemberaubende Bilder und Zufriedenheit in unseren Herzen.

Die Nacht wir kühl. Wir ziehen uns gut an für die Nachtwache. Der Wind schwächt weiter und weiter ab, sodass wir bei jedem Wachwechsel ein Stück ausreffen können. Ab 02:30 Uhr segeln wir unter Vollzeug mit 6 Knoten Richtung Küste der Insel Porquerolles. Der Rudergänger hat volle Aufmerksamkeit und dennoch fallen hier und da die Äuglein kurz zu. P1090245Der Himmel ist klar, die Sterne glänzen um die Wette. Einfach herrlich die nächtlichen Aussichten. So schnell sehen wir solch einen Sternenhimmel nicht mehr. Begegnungen der unheimlichen Art (Tanker, Kreuzfahrtschiffe, Fischer) vielen glücklicher Weise aus. Nur wenige andere Schiffe sichteten wir, welche sich auf angenehmem Abstand befanden.

Die Stimmung an Bord ist sehr gut, alles läuft wunderbar. Nur die Müdigkeit zehrt an unseren Kräften. Als Anja um 8 Uhr morgens aus der Koje krabbelt, hat Michael den schönen Sonnenaufgang natürlich schon erlebt, und es ist auch schon Land in Sicht. In den Morgenstunden wird der Wind noch schwächer. Wir machen immer weniger Fahrt. Die Schleppangel wird wieder aktiviert, leider ohne den ersehnten Erfolg. Dennoch sind wir ganz stolz auf uns, dass wir bis kurz vor der Ankerbucht gesegelt sind.P1090261

Nach 25 Stunden Fahrt fällt der Anker in der Bucht östlich von Porquerolles. Wir haben es wiedermal geschafft.

Als Anleger gibt es diesmal einen guten Pfälzer Müller-Schorle auf dem Vordeck der TRISKÈLE!

Hier bleiben wir und warten in der Bucht auf unsere Freunde der SY IMAGINE, die nach ihrer Überfahrt noch einen Abstecher nach Saint-Tropez machen wollen.

Wir genießen derweil den Abend mit einem super Sonnenuntergang im Westen und tollen Vollmond im Osten.

→ Nochmals ein großes Dankeschön an unsere Pfälzer Freunde für die Mitbringsel, ohne euch wäre dieser Moment nicht möglich gewesen.P1090253