Unsere Paletten sind heile angekommen – Vorbereitung auf die Überfahrt nach Sizilien

Es ist soweit! Die Spedition hat sich angemeldet. Unsere zwei Paletten mit den Überbleibseln unseres Haushalts aus Deutschland sind tatsächlich am Mittwoch, den 29.07.15 in Agios Nikolaos angekommen. Morgens um halb neun kam ein Kleintransporter und hat die Sachen, nachdem der Personalausweis von Michael vorgezeigt wurde, auf dem Steg A abgeladen. Wir waren happy und erleichtert! Der Zustand der Umzugskartons war einwandfrei! Wow, hätten wir nicht gedacht, dass keine Schrammen dran sind. Lediglich die Umfolierung war ein klein wenig eingerissen, aber ansonsten perfekt! Jetzt haben wir alles da.
P1070866Im Laufe des Tages machten wir uns dann daran, die Sachen im Boot zu verstauen. Kein leichtes Unterfangen, da wir doch im Platzangebot an Bord ganz schön beschränkt sind. Ob das wohl alles verstaut werden kann? Oh je ist das ein Haufen Zeug! Im Bootsinneren sieht es ganz schön durcheinander aus. Es war aber in jedem Karton etwas drin, auf das wir uns besonders gefreut haben. So sind nun alle unsere Glücksbringer an Bord, die wir zum Abschied von Freunden, Nachbarn und Familie geschenkt bekommen haben. Endlich haben wir eine Küchenwaage an Bord, die wie sich später herausstellte, nicht so ganz mit dem Seegang zu Recht kommen sollte, sowie einen Handrührbesen, mit dem wir endlich Eischnee schlagen können. Anja hat sich auch sehr darauf gefreut, ihre eigens geerntete Kräutersammlung wieder zu haben. Michael ist überaus glücklich, nun endlich sein eigenes, gutes Werkzeug an Bord zu haben.
Den ganzen Tag haben wir in der Hitze geräumt und verstaut und doch hat noch nicht alles seinen Platz. Wir haben einfach noch zu viel von zu Hause mitgenommen. Wahrscheinlich werden wir noch nicht einmal die Hälfte von den Klamotten anziehen, die wir jetzt an Bord haben, obwohl wir schon in Deutschland großzügig aussortiert hatten. Dies besonders betreffend aus Anja’s Kleiderschrankvorräten. Michael hatte noch nie solch große Vielfalt. 🙂

P1070873Während des Verstauvorgangs haben wir uns dazu entschlossen, die riesige, veraltete Radarantenne nicht mit an Bord zu nehmen. Wohin damit nur? Viel zu groß das Geschoß und keine Möglichkeit, es am Schiff zu montieren. Hier mussten wir uns leider eingestehen, dass dies ein klassischer Fehlkauf war. Den wachhabenden Mariniero fragten wir, ob er dafür Verwendung hätte, und siehe da, ja er würde diese Gerätschaft übernehmen. Demnach ging das veraltete Gerät in seinen Besitz über und wir hatten es los.

Zu guter Letzt lag die Triskèle nachdem auch noch 150 Liter Diesel getankt wurden, etwas tiefer gelegt mit dem Heck im Wasser und alles war an Bord.

Michael montierte zudem auch den Windgenerator auf dem Geräteträger. Der steht uns nun nicht im Weg herum und erfüllt gleichzeitig seinen Zweck – nämlich uns zusätzlich zu unseren Solarpaneelen mit Strom zu versorgen.

P1070882Am gleichen Tag war dann noch ein kurzer Tauchgang von Michael im Hafenbecken angesagt. Ein paar Tage zuvor fiel uns leider bei der Untersuchung der Selbststeueranlage ein kleines Geräteteil über den Ausguss am Heck ins Hafenbecken und dieses galt es wieder zu finden. Michael schwang sich also in voller Montur in die Taucherklamotten und machte sich auf die Suche nach einem kleinen schwarzen, runden Plastikteil, das zu Arretierung dieses Gerätes von Nöten ist. Am Steg beobachtete Anja den Tauchgang und machte Wache, dass kein Boot einfahren würde. Zum Glück konnte Michael das Teil wieder finden. Ohne das Teilstück hätten wir die Montage und Nutzung der Selbststeueranlage nämlich vergessen können. Und ob wir das kleine Teil als Ersatz hätten beschaffen können, das steht außer Frage. Aber alles war wieder in Ordnung gekommen.

Abends konnten wir mit einer schlechten Skypeverbindung nochmals Kontakt zur Verwandtschaft und Freunden aufnehmen. Anjas Bruder mit seiner Frau sind in Deutschland unter anderem unsere Kontaktadresse, für den Fall, dass jemand mit unserer Online- Postadresse in Berlin nicht zurecht kommt. Wir haben uns sehr auf die vertrauten Stimmen gefreut. Endlich einmal wieder Kontakt zur Familie. Leider mussten wir von ihnen hören, dass uns unsere beiden Ex-Krankenkassen böse Briefe geschrieben hatten. Auf mehrmaliges Anschreiben hätten wir uns nicht gemeldet, und sie wollten den weiteren Versicherungsverlauf nach dem 30.04.15 geklärt haben. Da wir beide zum 30.04.15 von der letzten Arbeitsstelle abgemeldet wurden, wollten diese uns nun weiter pflichtversichern und veranschlagten anhand der aktuellen Berechnungsgrundlage hohe Beitragssummen. Das verstehen wir nicht, sind völlig verärgert über diese Schreiben! Was sollte dass denn nun? Wut und Verärgerung machte sich in uns breit. Die ganze Nacht lag uns die Mitteilung schwer auf dem Gemüt. Lange bevor unser Arbeitsverhältnis geendet hatte, hatte Anja doch bereits beiden Versicherungen unsere Folgeversicherung einmal telefonisch und schriftlich mitgeteilt. Von beiden Versicherungen gab es telefonisch ein „ok“, „einfach noch einmal schriftlich mitteilen und gut ist“, hatte es von beiden Versicherungen geheißen. Schriftlich kam bis zu unserer Abreise aus Deutschland keine Post mehr und nun das! Morgen früh müssen wir sofort einen bzw. zwei böse Mails losschicken! Das muss sofort geklärt werden, bevor uns noch die veranschlagten Summen vom Konto eingezogen werden, und wir auf See nicht mehr erreichbar und nicht mehr handlungsfähig sind.

Am darauffolgenden Morgen, als die bösen Mails an die Krankenversicherungen geschrieben waren, verproviantierten wir uns noch bevor wir Agios Nikolaos den Rücken zukehrten und uns zur nächsten Bucht nach Spinalonga aufmachten. Die See war ruhig und so motorten wir die Strecke. Immer wieder kamen uns auf dem Weg erhebliche Mengen an Plastiktüten entgegen. Schlimm, dass so viel Zivilisationsmüll auf dem Meer vor sich hin treibt. Eine Sache sah jedoch von Weitem aus, als wäre es ein treibendes Netz. Anja steuerte daran vorbei und stellte überrascht fest, dass es sich hierbei nicht um ein Netz handelte, sondern um eine Meeresschildkröte. Wow, das hätten wir nun nicht erwartet! Elegant bewegte sie sich an der Wasseroberfläche an uns vorbei und verschwand auch schon bald wieder aus unserem Sichtfeld, bevor wir den Fotoapparat zur Hand hatten. Ein tolles Erlebnis für uns!

P1070892Die Einfahrt der Bucht Spinalongas war groß und es war nicht so großer Schiffsverkehr, als angenommen. Spinalonga ist die bekannteste Insel Kretas. Die Festung wurde während der Venezianischen Herrschaft erbaut. Von 1669 bis 1715 diente die Festung als Zufluchtsort für Venezianer, Hainider und Gesetzesbrecher. In der Folge wurde sie bis 1903 jedoch ausschließlich von Muslimen bewohnt, die sie als letzte verließen bis die Insel im Jahr 1903 in eine Leprakolonie umgewandelt wurde. Im Jahr 1957 wurde der Betrieb eingestellt und ist seither unbewohnt. Auf der Suche nach einem geeigneten Ankerplatz tasteten wir uns vorsichtig und zaghaft in die Bucht. Überall laut Kartenangabe eine Wassertiefe von 3-6 Meter. Schließlich fiel der Anker auf 4 Meter und Anja machte sich mit Taucherbrille daran, den Anker auf Festigkeit zu überprüfen. Michael hatte gut Kette gestreckt, der Anker lag gut eingegraben im Schlick. Bald schon war es ruhig in der Bucht und die vielen Ausflugsboote zur Touristeninsel waren verschwunden. Wir lagen allein und gut schützt. Michael nahm, nachdem auch er geschnorchelt hatte, den Dudelsack zur Hand und spielte, einfach eine herrliche Stimmung. Wir saßen noch eine Weile im Cockpit und beobachten ein paar wilde Schafe an der Ufernähe.

P1070911Am nächsten Morgen (31.07.) hieß es wieder Anker auf. Wir steuerten die nächste empfohlene Bucht, Insel Dia, an. Dort wären wir für uns und man liege dort gut geschützt vor den hier in Griechenland vorherrschenden Nordwestwinden. Die Einfahrt der Bucht war schmäler als gedacht und wir überlegten kurz, ob wir dort wirklich Schutz für die Nacht suchen sollten. Einsam waren wir hier allerdings nicht. Es lag bereits eine französische Yacht in der Bucht. Links und rechts steile, kahle Felswände. Die Bucht gestaltete sich so schmal, dass schon eine Wende mit dem Boot für uns zur Vorsicht gebot. Auf 10 Meter fiel unser Anker. Dem Franzosen war unsere Anwesenheit wohl nicht so geheuer und somit verlegte er sein Boot weiter weg von uns. Na ja, kann ja jeder machen was er will. Die Sicht im Wasser war schlecht und trübe. Der Anker konnte somit nicht 100-ig geprüft werden, aber die Kette lag auf jeden Fall gut und lang über dem Meeresgrund.
Tags drauf montierte Michael noch unsere Windsteueranlage, die Aries, am Heck unserer Triskèle. Wie genau diese funktioniert wissen wir leider noch nicht, erhoffen uns jedoch während der Fahrt dies herauszufinden. Eine Funktionsbeschreibung ist leider nicht an Bord.

P1070926Eigentlich wollten wir als nächstes Ziel den Ort Chania an der Nordwesküste von Kreta anlaufen. Dort wollten wir uns auf den Absprung nach Sizilien vorbereiten. Auf dem Weg dort hin entschieden wir jedoch um. Wir segelten schon eine Nacht durch und waren noch lange nicht am Ziel. Wir liefen somit den Militärhafen von Souda an. Die Einfahrt wurde im Handbuch als schwierig bezeichnet, da man sich genau an das Fahrwasser halten sollte, welches nicht besonders breit sei. Umgeben von Sperrgebieten des Militärs gestaltete sich die Zufahrt dank GPS aber doch ganz gut befahrbar. Würde man sich nicht an das Fahrwasser halten, so würden den Booten schon einmal die Zufahrt verweigert werden, so im Handbuch geschrieben. Wir hielten Ausschau, ob uns ein Boot geleiten würde, aber keinen hat unsere Einfahrt wohl so wirklich interessiert. Links und rechts lagen Boote militärischen Zweckes. Längsseits machten wir am Steg fest. Nicht weit weg von unserem Boot lag ein französisches Boot. Bernard von der Yacht KALIMERO begrüßte uns mit 2 Orangen, einer Packung guten französischen Keksen und lud uns sogleich auf sein Boot zum Kaffee ein. Ein einfaches „Bonjour“ öffnet doch immer wieder die Herzen der Franzosen. Dies stellen wir immer wieder auf unseren Reisen fest. Die sind doch gar nicht so verbissen uns Deutschen gegenüber. Man muss eben nur in Landessprache auf die Leute zugehen und schon klappt das mit der Völkerverständigung.

P1070945Wir fragen nach dem nächst gelegenen Supermarkt, ob wir hier Hafengebühren bezahlen müssten und wo man hier free WIFI bekommen könnte zum Abfragen des Wetters. Einkaufsmöglichkeiten wären gleich in der Nähe und Gebühren gäbe es hier keine. Das hätte uns auch gewundert, da der Hafen nicht gerade touristisch angehaucht war und weder Sanitäre Anlagen noch Strom zur Verfügung standen. Lediglich eine Wasserleitung lief entlang des Anlegersteges. Ringsum Industrieflair und Einöde. Bei der Frage nach dem free WIFI für die Wetterabfrage holte Bernard sogleich seinen Laptop hervor und zeigte uns die Wetterdaten der nächsten Tage. Einfach klasse vom ihm! Es kam jedoch tatsächlich noch jemand Offizielles an unser Boot heran und fragte, wie lange wir liegen würden, ob Wasser und Strom von Nöten sei. Michael gab ihm zu verstehen, dass wir morgen bzw. übermorgen ablegen würden und nur einen Liegeplatz bräuchten – kein Wasser, kein Strom. Die Verständigung des Marinieros auf Englisch war schlecht, doch im Endeffekt keine Gebühren zu bezahlen.

Am Abend machten wir endlich einmal wieder Musik zusammen und besprachen unseren weiteren Törnverlauf. Einen Tag bleiben wir hier liegen, verproviantieren uns und dann wagen wir den Absprung nach Sizilien auf direktem Wege. Demnach sollte unsere Reise nicht entlang des griechischen Festlandes, sondern frei 450 Seemeilen über das Mittelmeer führen. Am Vorabend der Abreise gehen wir auf ein Glas Rotwein in ein Lokal mit free WIFI und checken nochmals das Wetter, die Windverhältnisse und prüfen unsere Post. Unsere voraussichtliche Fahrtzeit bei den schwach prognostizierten Winden von 2-3 Beaufort schätzen wir auf 7-10 Tage. Wir sind gespannt, wie der Übersetzer sein wird. Ist es ja nun doch die erste längere Fahrt auf dem offenen Meer. Es wird kein Land ins Sicht sein und bei einer Meerestiefe von 3000 – 5000 Meter kann einem schon mulmig werden.

Werden wir die Überfahrt meistern, und sind wir für solch eine lange Stecke schon segeltechnisch bereit?

P1070929JA, wir haben die Überfahrt geschafft. Sind kurz vor der Straße von Messina in Reggio Calabria.
Den Bericht hierzu verfassen wir demnächst.

Good bye, Griechenland

Morgen ist es soweit. Wir werden Griechenland den Rücken kehren, und von Souda auf Kreta direkt nach Sizilien segeln. Die Winde scheinen sich die nächsten Tage dafür günstig zu entwickeln.

Die letzten Tage haben wir damit verbracht unseren Hausrat aus Deutschland, der mt Paletten nach Agios Nikolaos nachgeschickt wurde, auf der TRISKÈLE zu verstauen.

Ganz nebenbei sind wir dabei weitergesegelt, denn die Zeit drängt um nach Frankreich zu kommen. Schade, denn so mussten wir einige sehr schöne Orte unbesichtigt einfach hinter uns lassen, und weitersegeln. Aber wir können ja nochmal kommen.

So, den ausführlichen Bericht gibt es dann, wenn wir in Bella Italia angekommen sind. Wir rechnen mit einer Fahrzeit von etwa 7 bis 10 Tagen. So lange haben wir kein Internet und können euch auch nicht auf dem Laufenden halten.

Ciao, bis bald

Fahrt von Diafani nach Agios Nikolaos

Von der Insel Karpathos aus dem Hafen Diafani machten wir bereits früh um 07:45 Uhr los. Bei leichtem Halbwind sind wir ca. 5 Seemeilen gesegelt bis der Wind einschlief und wir unter Motor weiter gefahren sind. Unser nächstes Ziel sollte auf der Insel Kasos der Hafen Fri sein. Zwischen der Insel Karpathos und Kasos hatten wir den vorhergesagten Düseneffekt mit ca. 6 Beaufort Windstärke aus Nord und Wellen bis maximal 1,5 m. Immer wieder kontrollieren wir unterwegs die Bilge auf Wassereintritt, jedoch alles in Ordnung. Die Maßnahme in Diafani das vordere undichte Luk abzudichten hatte wohl Früchte getragen und alles blieb trocken.

Da wir den Wind wieder voll auf die Nase bekommen haben, sind wir die restliche Strecke von 34 Seemeilen unter Motor gelaufen. Der Hafen von Fri auf der Insel Kasos sieht von weitem sehr ausgestorben aus. Als wir einlaufen, sehen wir große Betonstege, die wohl für die Großschifffahrt reserviert sind. Für Schiffe unserer Größe ist eigentlich kein Anlegesteg vorgesehen. Auf der Rückseite der Betonstege liegen kleinere Boote, kleinere Fischerboote und ein einsamer Segler unseres Formates. Vor dem Segler möchten wir gerne uns platzieren, jedoch werden wir von einem Marinerio am Steg darauf hingewiesen, dass das der Anleger für die Fähre sei. Demnach hier kein Platz für uns. Hinter dem Segler sollen wir festmachen, meint er. Für uns ist die Lücke zwischen dem Segler zum nächsten Fischerboot jedoch zu klein und auch die Wassertiefe ist uns nicht geheuer. Sind überall unter Wasser dort Betonklötze und große Steine verteilt. Wir fragen, ob wir nicht dort bei der Großschifffahrt festmachen könnten. Irgendwie hat er unsere Frage nicht wirklich verneint und uns somit die Freigabe zum Festmachen an dem großen Betonsteg erteilt. Sollte hier ein Schiff festmachen wollen, müssen wir eben weg, denken wir uns. Außerdem ist ja auch genügend Platz hier. Der Marinerio ist dann auch schon verschwunden bevor wir richtig festmachen. Wir liegen gut, denken wir uns und erfreuen uns, dass wir die Nacht ohne Schwell am Steg verbringen können.

Am selben Abend noch kommt eine Segelyacht, die sich zu uns an den Steg legt. Wir helfen beim Anlegen mit deren Leinen. Es ist ein belgisches Paar. Die Yacht trägt den Namen Wild & Wei und die zwei kommen von Kreta gesegelt. Demnach von da, wo wir hin wollen. Wir fragen nach dem Wind und den Wellen. Es soll ganz schön blasen dort und bis zu 2 m Wellen haben. Besser wir würden einen Tag warten, denn der Wind würde schwächer werden und demnach wäre es dann nicht mehr so bewegt.
Bei einem kleinen Rundgang auf der Suche nach einem Supermarkt finden wir einen kleinen Shop, der gesalzene Preise hat. Wir kaufen nur das Nötigste für das Abendessen und bekommen an der Kasse eine selbstgemachte Süßspeise in die Hände gedrückt. Das war vielleicht lecker und eine nette Geste von der Kassiererin! Gleich nebenan ist ein kleiner Obst- und Gemüseladen. Die Qualität der Ware ist wünschenswert. Vieles schon vertrocknet, verschimmelt und sieht überlagert aus. Selbst in den wenigen Kühlschränken ist die Ware bereits verdorben und gammelt vor sich hin. Aber wir finden noch alles Notwendige für uns, das in Ordnung ist.

Am nächsten Tag (21.07.) kommen wir mit den Belgiern wieder ins Gespräch. Auf deren Boot empfehlen sie uns auf Kreta den Hafen von Sitia anzulaufen. Dort wäre nichts los und man liege sicher, ruhig und könne längsseits festmachen. Die Buchten an der Ostküste von Kreta seien kritisch und nicht so sicher. Wir verlegen unser erstes Ziel auf Kreta daher nach Sitia. Ebenso erzählen sie uns von einer Insel mit weißem Sandstrand, herrliche Bucht, kein Schwell und unweit von hier. Wir beschließen wegen Müdigkeit der Crew noch einen Tag bis zur Überfahrt nach Kreta zu warten und den Tag und die kommende Nacht in der empfohlenen Bucht der Insel Armathia zu verbringen. Können wir dort wieder schnorcheln und nachts die Sterne beobachten. Nach 3 Seemeilen Fahrt unter Motor erspähten wir den wohl gemeinten Sandstrand mit dessen Bucht. Nach dem Ankermanöver hatte Michael irgendwie das Gefühl, dass wir treiben, jedoch waren wir fest verankert und nur der Schwell bewegte die Triskèle hin und her. Ganz so ruhig war diese Bucht dann leider doch nicht, aber wir sind geblieben. Beim Schnorcheln konnten wir leider nur wenige kleine Fische ausfindig machen. Der Anker aber war gut eingegraben, und wir hätten nach dem Beobachten des nächtlichen Sternenhimmels zumindest mental gut schlafen sollen. Zu unserem Leid war die Bucht nicht so ruhig wie angekündigt, und wir rollten die ganze Nacht mit der Triskèle von einer Seite zur Anderen.

Morgens früh um 07:45 Uhr (22.07.) gingen wir Anker auf Richtung Sitia auf Kreta. Da der Wind genau einmal wieder aus der Richtung kam wo wir hin wollten, sind wir die ganze Strecke unter Motor mit Sützsegel gefahren. Motort sind wir aber auch aus dem Grund, weil es uns für einen Tagestrip zu weit war, und es wegen des Düseneffekts zwischen den Inseln ungemütlich werden sollte. Der Wind wehte zwischen 4 und 5 Beaufort aus WNW bei Wellen mit ca. 1 bis 1,5 m Höhe und 30 °C.

Es war eigentlich nicht so schlimm wie wir befürchtet hatten. Dennoch tauchte die Triskèle immer wieder in die Wellen ein und warf Wasser über das Deck nach hinten. Wir erfreuten uns schon an der Küste von Kreta, als Anja um ca. 13 Uhr ungewöhnliche Motorenge räusche vernahm und Michael darauf aufmerksam machte. Ja, da stimmt etwas nicht und Michael rennt sofort zur Motorbilge, öffnet diese und bekommt auch schon einen Schreck! „Motor aus!“ schreit er hoch zu Anja, die sofort nichtsahnend was denn nun los war, den Motor stoppte. „Wassereinbruch! – Fall ab!“ Der Motorraum stand bis zur Motorölwanne im Salzwasser. Mit Tauchpumpe und Pütz kämpfte Michael gegen den Wassereinbruch. Woher kam das nur und vor allem in der Menge? Ist der Seewasserkühlschlauch geplatzt? Nein, der ist es nicht. Ein Loch im Rumpf? Nein, das ist es auch nicht. „Wird es weniger?“ fragt Anja ein paar Mal nach, aber Michael konnte noch keine Antwort darauf geben. Sorgenvoll steht Anja am Ruder, und lässt die Triskèle im Wind bei Halbwindkurs auf 140° MgK treiben. Michael kämpft Eimer für Eimer gegen das Wasser. Mit jeder Welle hat er Mühe sich festzuhalten und gleichzeitig den Eimer mit Wasser hinaus ins Cockpit mit Wasserablauf zu hieven. Er ist erschöpft und entkräftet, bis klar ist, dass das Wasser weniger wird und keines weiter eintritt. Wir versuchen den Motor zu starten – er läuft – gehen wieder auf den alten Kurs. Ein Rest Wasser in der Bilge verbleibt. Wir beobachten wieder halbstündlich die Bilge, ob das Wasser auch nicht mehr wird. Aber alles im grünen Bereich wieder. In Sitia angekommen sind wir geschafft und froh angekommen zu sein. Hätten wir in der Türkei doch nur noch die Bilgepumpe gekauft. Hier besteht akuter Handlungsbedarf. Michael montiert wieder den Niedergang ab und holt mit der Pütz das restliche Wasser aus der Bilge. Die große Trocknung des kompletten Schiffs und Begutachtung machen wir dann am nächsten Tag.

Es stellte sich heraus, dass das Wasser aus dem Grauwassertank über die Dusche in die Bilge lief. Die Triskèle stampfte im Seegang und nahm so Wasser über die Ankeröffnung im Bug in den Ankerkasten auf, in der die Ankerwinsch eingebaut ist. Deren Ablauf war mit einem Leinenende eines Fenders verstopft. Das Wasser konnte nicht abfließen und lief über die Kettendurchführung in den Kettenkasten und somit in den Grauwassertank, der dann in die Motorbilge überlief. Wir müssen daher in Zukunft erst einmal darauf achten, dass wir während so einer bewegten Fahrt regelmäßig den Grauwassertank entleeren. Als Endlösung muss jedoch die Ankerwinsch und deren Aufnahme auf Deck montiert werden. Die Durchführung im Bug zum Kettenkasten wird geschlossen. Dieser Umbau muss jedoch bis wir in Frankreich sind warten. Bis dahin bleibt es wie es ist.

Am nächsten Tag (23.07.) blieben wir im kostenlosen Hafen und befreiten unser Schiff im Innern von dem Salzwasser. Das bedeutete ziemliches Chaos an Bord. Alle Bodenplatten mussten aufgemacht, der Inhalt der Bilge ausgeräumt, gesäubert und zur Trocknung in die Sonne platziert werden. Danach haben wir die Stadt zu Fuß erkundet. Sitia ist größtenteils eine hässliche, Betonplattenbau Stadt und wirkt wie ein Häuserklumpen. Rund um die Hafenpromenade mit den Tavernen und Musikbars erstrecken sich jedoch Palmen und lockern das Ambiente etwas auf. Auch findet man sehr viele Benjamini – Bäume! Welche bei uns in Töpfen sorgsam klein heranwächsen sind hier große ausgewachsene Bäume! Wow, wie groß die werden können! Abends ist hier gut was los und die Musik ertönt aus den Lokalen. In zweiter Reihe hinter der Hafenpromenade erstrecken sich viele kleine Geschäfte, die mittags geschlossen sind. Abends wird geöffnet. Dann wenn es kühler wird, und die Menschen sich in den Gassen tummeln.

Der alte Teil der Stadt mit dem venezianischen Fort ist schön. Leider haben wir die Öffnungszeit verpasst und können das Fort nicht von innen besichtigen. Wir schlendern durch die kleinen Gassen und immer wieder geht unser Blick durch die Häuserreihe hindurch zum Ausblick auf den Hafen und das Meer. Nachdem wir abends das Wetter für den nächsten Segeltag gecheckt haben, gehen wir zum Boot und planen die Route nach Agios Nikolaos. Dort wollen wir ja dann auf die Ankunft unserer Paletten warten.

Bei leichtem Wind ca 2-3 Beaufort aus NW starten wir unter Segel. Da die Strecke nicht so weit ist, beschließen wir, erst einmal aus der Bucht von Sitia zu kreuzen. Später am Kap Phaneromeni erwischt uns eine Flaute und wir müssen weiter motoren. Nach etwa drei Stunden geht es dann wieder mit raumen Wind (Wind von hinten) unter dem Focksegel weiter nach Agios Nikolaos. Bei der Einfahrt in den Hafen, der diesmal nicht kostenfrei ist, erwartete uns schon einer von der Hafenmeisterei. „Are you the friends from Udo“ fragte er und gleich war klar, dass wir erwartet wurden. Udo betreut hier in Agios Nikolaos den „Trans Ocean“ Standort. Ihn hatten wir gebeten, sich als Ansprechpartner für die Ankunft unserer Paletten zur Verfügung zu stellen. Ohne Frage hat er sich dazu bereit erklärt, dafür danken wir ihn sehr.

Ob wir ein Bugstrahlruder hätten, fragte der Marinero noch. „Nein, haben wir nicht“, sagt Anja. Ist es mit einem Bugstrahlruder doch bequemer einzuparken, da man einfach besser sich drehen und wenden kann. Michael stellt sich der Aufgabe rückwärts einzuparken und nachdem er ein paar Mal vor und zurück drehte, standen wir auch schon in der Box zwischen zwei Booten. Das eine Boot davon war unbewohnt, das andere bewohnt. Beim Einfahren in die Lücke war die Crew gleich auf Deck und hatte Angst um ihre Schickimicki Beneteau-Yacht. Zugegeben deren Boot ist nagelneu und da wären wir auch besorgt, ob da auch nichts schief geht. Wir haben dafür natürlich Verständnis.

Nun sind wir also angekommen und warten nun auf die Ankunft unserer Habseligkeiten aus Deutschland, die hoffentlich die nächsten Tage ankommen werden. Da die Marina in dem Fall Kosten verursacht, möchten wir nur so lange als nötig bleiben. Nach Aufnahme und Verstauen unserer Sachen wollen wir auch schon wieder raus, um unser Budget zu schonen.
Während wir warten, erledigen wir wieder notwendige Dinge an Bord. Vor dem 27.07. (Montag) wird sich da wohl eh nichts tun. Es ist Wochenende und da wird nichts ankommen, das ist uns leider bewusst.

Durch unsere nasse Überfahrt hat z.B. auch der Magnetschalter zum Motorabstellen Wasser genommen und der Motor lässt sich nicht mehr vom Steuerstand aus per Knopfdruck abstellen. Michael muss dazu in den Motorraum und per Hand den Motor ausmachen. Das ist kann natürlich auch kein Dauerzustand sein. Leider kann der Magnetschalter nicht weiter zerlegt werden, da benötigtes Werkzeug fehlt. Hoffentlich ist der benötigte Durchschlag auf einer der Paletten eingepackt. Dann kann auch gleich das marode Kabel getauscht werden. Vorerst wird der Magnetschalter also beiseite gelegt und Michael widmet sich den Roststellen im Ankerkasten und in der Motorbilge. Die verrosteten Stellen werden per Hand mühevoll bei 30 °C, kein Windzug, abgeschliffen und mit Grundierung gestrichen.

Anja prüft das vom Vorgänger noch als „defekt“ deklarierte Sonnensegel. Oh je, das hat einige Löcher zum Stopfen. Stoffreste werden gefunden und auch Nadel und Faden sind gleich zur Hand. Nachdem ein Teil eines Loches geflickt ist, kommt jedoch die Enttäuschung. Gleich neben dem Geflickten reißt der Stoff auch schon weiter. Zu marode und strapaziert ist das Sonnensegel. Das hat wohl keinen Sinn, die Löcher zu stopfen, auf lang oder kurz muss Anja das neu machen und legt enttäuscht den Fetzen beiseite.

Bald schon kommt die nächste Baustelle. Beim abendlichen Kochen stellt Michael fest, dass unter dem Backofen Sprit (Lampenöl) davon läuft. Es hat sich bereits schon großflächig unter dem Backofen verteilt. Entweder ist hier die Zuleitung defekt oder der Schlauch ist nicht mehr richtig befestigt. Sieht danach aus, dass die Schlauchschelle nicht fest genug saß. Michael macht noch eine zusätzlich dran und zieht beide gut fest an. Das wird hoffentlich dicht sein.

An einem Abend lernen wir zweit Boote weiter ein englisches Ehepaar kennen. Er ist durch unsere Musikrunde an Deck auf uns aufmerksam geworden und zeigt uns gleich seine Gitarre. Neugierig darauf welches Instrument Anja da in der Hand hält, bittet er uns, auf sein Boot zu kommen und ist von der Drehleier begeistert. Noch nie hätte er solch ein Instrument gesehen. Im Gegensatz zu uns macht er schon länger Musik (Gitarre, Keyboard, Trommeln) und spielt über Winter hier in den Tavernen mit anderen Musikern. Also eher ein Profi und gibt Michael beim Gitarren spielen Tipps mit der Fingerhaltung, damit er es leichter hat. Außerdem überlässt er uns noch seine tin whistle. Diese würde er eh nicht spielen, und wir könnten diese gerne behalten. Vielen herzlichen Dank dafür! Der Abend war toll und sowohl er und seine Frau als auch wir haben den Abend sehr genossen.

Dann warten wir mal weiter auf die Paletten. Hoffentlich kommen diese bald.