Die Abfahrt aus dem Hafen von Trapani hatte sich leider etwas verzögert. Wollten wir doch gegen Vormittag eigentlich aufbrechen, kam es anders als geplant. Als erstes mussten wir ewig nach einer geöffneten Bäckerei suchen, um uns für die nächsten Tage mit Brot einzudecken. Diese Stadt hat wirklich nicht viel zu bieten. Die Gassen sind leer und nur vereinzelt ein Bed & Breakfast Hotel, wo Stühle in die Fußgängerzone ragen. Ein paar Feinkostläden ohne Brot finden wir und diverse Klamottenläden. Wir laufen uns die Füße wund für einen Laib Brot. Dann am anderen Ende der Stadt endlich eine Bäckerei, die auch Pizza verkauft. Schnell drei Laib für die nächsten Tage gekauft und ab zurück zum Boot.
Die zweite Abfahrtsbremse war eine defekte Dichtung der hinteren Toilette. Diesen Defekt hatte Anja bereits am Abend vor der Abreise festgestellt. Bei Betätigung des Pumphebels der Toilette spritzte Wasser seitlich heraus. Nun gut, dann benutzen wir eben nur die vordere Toilette, so dachten wir abends noch. Am Morgen vor der Abfahrt wollte Michael die Schrauben etwas nachziehen, so dass die Dichtung wieder abdichten sollte. Dies hat leider nicht funktioniert, und um die Dichtung herum tropfte nun ohne Betätigung des Hebels Wasser heraus.
„So können wir nicht in See stechen“, sagt Anja. Sie weiß im gleichen Moment, dass dies für Michael keine Hiobsbotschaft ist, da er nun wieder zu Werkzeug greifen muss, um die Sache ins Reine zu bringen. Michael ärgert sich und hat absolut keine Lust nun noch das Klo zu reparieren! „Wir wollen doch los! Warum jetzt?“ Aber es geht kein Weg daran vorbei. Die Toilette können wir nicht während der ganzen Überfahrt vor sich hin tropfen lassen. Da läuft die ganze Brühe ja auf den Boden bzw. in die Bilge rein und müffelt vor sich hin.
„Wer solche Toiletten erfindet, sollte diese doch auch einmal selbst reparieren müssen“, schimpft Michael. Nicht dass man an die entsprechenden Schrauben direkt dran kommen könnte, nein, man muss erst die komplette Schüssel abmontieren. Dennoch schnell, zwar unter Fluchen, tauscht Michael die defekte Dichtung aus. Anja assistiert und versucht ihren Michael mental aufzubauen.
Um halb zwölf sind wir dann soweit fertig, dass wir weiter zur Tankstelle können. Wir wollen auf jeden Fall noch einmal 100 Liter tanken. Wer weiß ob wir wegen Flaute wieder motoren oder aus sonstigen Gründen den Motor anwerfen müssen. Sicher, ist sicher sagen wir uns. Über den Spritpreis sind wir allerdings schockiert! Hier verlangt man bereits 1,60 €/ Ltr. Diesel! Die Preise werden irgendwie immer teurer.
Um ca. 12 Uhr kommen wir dann endlich los und machen uns bei ca. 2 bft mit Wind aus NW, 30 °C und herrlichem Sonnenschein auf in Richtung Sardinien. Die Segel sind gesetzt und als der Wind dann später auf Süd dreht, können wir sogar den Weg direkt nehmen. Das Meer ist ruhig, wir fahren etwa 3-4 Knoten. Das Segeln macht heute richtig Spaß! So soll es bleiben, sagen wir uns und sind gespannt, wie sich das Wetter weiter entwickelt, und wie lange wir für den Weg nach Sardinien benötigen würden. Zum Abend kocht uns Michael einen leckeren Bohneneintopf, welcher auch für den nächsten Tag noch reichen wird.
Die Nachtwache teilen wir wie üblich ein und segeln unter voller Besegelung bei Halbmond entspannt die Nacht durch. Der Sternenhimmel ist einzigartig! Die Milchstraße, wie in den vergangenen Nächten auch, reicht von einer Seite des Horizonts bis zur anderen Seite. Die Sterne sind zum greifen nah und so unzählig viele…wow! Auch bestaunen wir wieder die vielen Sternschnuppen, die in der Nacht verglühen. Leider erleben wir das Spektakel in jeder unserer Schicht alleine, aber bei der Ruderübergabe sprechen wir immer davon, wie schön die Sternschnuppen waren. Zu schade, dass wir mit unserem Fotoapparat keine Bilder davon machen können. Diese Erlebnisse sind einfach nicht in Bildern festzuhalten.
Am zweiten Tag auf See nimmt der Wind gegen Mittag zu, ebenso die Wellen, die sich auf ca. 2 Meter aufbauen. Der Wind kommt aus SO mit ca. 4-5 bft, wir machen mit Rückenwind gute Fahrt. Der Himmel ist wolkenlos bei 30 °C. Den ganzen Tag kommen uns Wasserschildkröten entgegen, die gegen Wind und Welle schwimmen. Beeindruckend wie viele uns passieren. Es müssen hunderte unterwegs sein. Wir sehen schließlich nur die, die unweit unseres Bootes vorbei schwimmen. Man könnte meinen, wir sind auf einer typischen „Wasserschildkrötenroute“. Auch wenn Schildkröten bekanntlich als langsame Tiere gelten, so gelingt es uns nicht, eine davon zu fotografieren. Bis wir diese seitlich vom Boot ausfindig machen können, sind sie auch schon in den Wellen wieder verschwunden.
Die Wellen schütteln uns ordentlich durch. Sie kommen schräg von hinten, heben das Heck der TRISKÈLE an und versetzen das Schiff beim Durchlaufen immer wieder nach backbord. Das Steuern erfordert Konzentration. Dennoch entgeht uns neben den Schildkröten ein weiteres Spektakel nicht. Etwa 500 Meter auf Steuerbord springen immer wieder Wale aus dem Wasser und winken beim Eintauchen mit ihren Schwanzflossen. Die Wasserfontänen sind weit sichtbar. Michael tippt auf Zwergwale. Leider konnten wir bei dem Gewackel an Bord die Tiere nicht gut fotografieren. 🙁
Des Weiteren tauchen Delphine auf und spielen in unserer Bugwelle. Es sind richtig viele. Wir sind super glücklich, diese Erlebnisse gemeinsam erlebt zu haben und nehmen diese Eindrücke von heute mit den Tieren in unsere Herzen auf. Das war ein richtig toller Tag! Auch segeltechnisch hatten wir unser bestes Etmal mit 98,5 Seemeilen → gesegelt wohl gemerkt, nicht motort!
Gegen Abend beschließen wir die Fock zu bergen und im 1. Reff im Großsegel durch die Nacht zu fahren. Wir machen auch ohne Vorsegel noch 6,5 Knoten und kommen schneller voran, als wir gedacht hatten. Wenn der Wind in der Nacht weiter bleibt, kommen wir früher als geplant in Sardinien an. Aufgrund der Windrichtung und des anzutreffenden Schwells bei Sardinien, beschließen wir das Ziel nach Porto Coralo zu verlegen. Das ursprüngliche Ziel wäre nach Süd hin offen gewesen und hätte uns bei der Windrichtung keinen Schutz geboten.
Da der Wind und die Wellen auch nachts blieben, haben wir uns bei der Nachtwache immer angeschnallt. Die sich auf 2 Meter Höhe auftürmenden anrollenden Wellen sehen im Mondschein beeindruckend aus und flößen einem doch Respekt ein. Am hellichten Tag sehen diese nur „halb so wild“ aus. Der Rudergänger hat die Nacht gut zu tun und in der Koje findet die Freiwache aufgrund des Geschaukels nur selten richtig Schlaf. Aber auch die Nacht haben wir überstanden und nach einer kleinen Flaute in den frühen Morgenstunden sind wir nach „nur“ 48 Stunden auf See in Sardinien angekommen.
Welch eine rasante Überfahrt! Geplant hatten wir 5-7 Tage für die Fahrt, wenn wir kreuzen müssten oder Flauten aussitzen und nun sind wir da!
Um halb eins konnten wir an einem nicht in Betrieb befindlichen Steg in Porto Corallo festmachen. Wir hatten die Hoffnung hier kostenlos liegen bleiben zu können, doch wurden wir leider in den üblichen Hafen verwiesen. Da das Hafenbüro noch geschlossen hatte, nutzten wir die Gelegenheit, die TRISKÈLE mit Süßwasser abzuschwenken und unsere T-Shirts durchtränkt von Sonnencreme und Salz in eine Seifenlauge einzulegen. Anschließend legten wir uns noch eine halbe Stunde aufs Ohr.
Um 16 Uhr wollten wir dann im Hafenbüro die bevorstehende Nacht bezahlen. 52 € hätten wir blechen sollen. Das ist uns natürlich zu teuer und erinnerte uns sogleich an den überteuerten Hafen von Reggio di Calabria. „No, to expensive for us! We leave.“ sagten wir der Dame im Büro. Völlig verdattert schaute sie uns an und händigte uns unsere Schiffspapiere wieder aus. Es scheint wohl nicht vorzukommen, dass die Bootseigner aufgrund der überhöhten Preise wieder reiß aus nehmen.
Aber der Hafen ist eine bereits seit Jahrzehnten bestehende Baustelle. Es steht zwar ein Gebäude dort, welches evtl. für ein Hafenbüro ursprünglich gedacht war, jedoch verwahrlost und leerstehend ist. Das Hafenbüro ist provisorischen in Containern untergebracht. Ebenso sind die Sanitäranlagen alles andere als 52 € wert. Diese sind ebenso Container mit Stehtoilette und Duschen, die absolut provisorisch installiert sind. Wir machen die Leinen wieder los und verlegen in eine nahegelegene Bucht, in der der Schwell erträglich ist. An den vorgelagerten Riffen brechen sich die Wellen, sodass wir einigermaßen ruhig liegen können.
Beim Ankermanöver geht aber dann die Ankerwinde kaputt und Michael ärgert sich mal wieder. Irgendwie kuppelt die Winde nicht mehr ein, der Anker rauscht einfach aus. Michael sichert die Kette an einer Leine. Das wird halten. Aber morgen steht somit schon wieder die nächste Reparatur an. Den Abend verbringen wir auf dem Vordeck und genießen die schöne Stimmung.
Hier in der Bucht bleiben wir vorerst ein paar Tage, bevor wir weiter fahren, um unsere Freunde zu treffen. Wir freuen uns schon sehr darauf, dass wir wieder bekannte Gesichter sehen!
In der Zeit des Entspannens bleibt somit Zeit für die Reparatur der Ankerwinde 🙂
Diese baut Michael dann einmal auseinander und wieder zusammen und sie geht wieder.
Aufgrund den um unser Boot in Scharen herum schwimmenden fetten, blau-lila Quallen entfällt leider das Schnorcheln und nach dem Anker sehen. Wir sind förmlich umzingelt von den riesigen Tieren. Auch unsere Angelversuche bleibt leider ohne Erfolg.
Abends paddeln wir an Land zur Strandbar und suchen wieder free WIFI um unsere Mails zu checken und Kontakt zur Heimat aufzunehmen. Die TRISKÈLE sieht ja doch toll aus so vom Strand aus gesehen. Den restlichen Abend verlegen wir uns dann wieder aufs Vordeck und genießen den Sternenhimmel bei einem Gläschen Rotwein.
Hier machen wir jetzt mal ein paar Tage „Urlaub“ 🙂
https://www.sy-triskele.net/wp-content/uploads/2015/08/P1080206.jpg9001200Anja und Michaelhttps://www.sy-triskele.net/wp-content/uploads/2015/05/Triskele-rot.pngAnja und Michael2015-08-27 18:30:292015-08-27 18:30:29Rasante Überfahrt nach Sardinien
Nach den Tagen auf See mit dem „Schichtbetrieb“ am Ruder, haben wir uns vorgenommen, heute in der Marina von Reggio di Calabria auszuschlafen. Also sind wir erst um halb zwölf ausgelaufen, nachdem wir etwas Diesel gebunkert hatten. Wir wussten sowieso, dass wir die ca. 55 Seemeilen zur Isola Vulcano nicht an einem Tag bewältigen können. Nicht bei diesen Windverhältnissen.
Die Straße von Messina ist zu beiden Seiten recht stark bebaut, so dass man die einzelnen Ortschaften nur schwer voneinander unterscheiden kann. Der Fährbetrieb zwischen Messina und Villa San Giovanni auf der calabrischen Seite ist rege und fordert alle Aufmerksamkeit. Wer weiß, ob die Jungs der Fähre einen sehen oder einfach stur deren Fahrplan einhalten wollen.
Die Straße wird langsam enger. Gegenströmung hat uns unser Tidenprogramm berechnet. Seltsamerweise steigt unsere Geschwindigkeit kurz vor der Meeresenge auf knapp 7,5 Knoten (normalerweise erreichen wir eine Geschwindigkeit von etwa 5,5 Knoten), ohne dass wir mehr Gas gegeben hätten. Von Verwirbelungen und Wasserstrudel war die Rede im Küstenhandbuch. Also alle Aufmerksamkeit auf die Wasseroberfläche. Dann bauen sich über uns auch noch dunkle grau Wolken auf, aus denen es langsam anfängt zu regnen. Wir ziehen uns unsere Schwerwetterkleidung an. Es sind etwa 25°C und wir sind angezogen wie im Winter. Es fängt stärker an zu regnen. Dann noch stärker. Toll, die Klamotten sind echt Wasserdicht und lassen keinen Tropfen vom Regen durchdringen. Aber auch keinen Tropfen vom Schwitzen nach draußen. Gefühlte zwanzig Minuten später ist der Regen vorbei, und der Himmel klart etwas auf. Man könnte meinen da dringt etwas blau vom Himmel durch.
Die Straße wird langsam wieder etwas breiter und wir nähern uns dem Ausgang. Bald können wir unseren Kurs in Richtung Isola Vulkano setzten. Hinter uns hören wir bereits wieder ein Grollen in der Ferne. Dieses mal sollte es uns aber nicht mehr erreichen, ist unsere Position ja in Windrichtung VOR dem Gewitter. Wir setzten Segel und genießen die leichte Brise die uns zu unserem Ziel bläst. Das Gewitter wird lauter und kommt näher. Ein Blick zurück ist beängstigend, ist der Ausgang der Straße von Messina bereits in einem grauen Schleier verhüllt. „Egal, das kann gar nicht kommen“ meint Michael. Nach jedem Blitz zählen wir die Sekunden. Wir zählen auf 10. Dann auf 7, und später auf 5. Das Donnern fühlt sich an, als wären wir mittendrin, so laut nah fühlt es sich an. Langsam werden wir nervös und starten den Motor. Bergen die Segel. War uns unser Leichtsinn auf der Überfahrt noch in guter Erinnerung. Wir fahren mit etwa 6 Knoten unserem Ziel entgegen. Das Gewitter folgt uns. Ein Schiff nach dem anderen, das in Richtung Messina fährt verschwindet im Grau des Regens. Das muss ganz schön heftig regnen! Mal kommt der Regen näher, dann löst er sich wieder auf. So geht das Spiel bis etwa 16:00 Uhr. Dann endlich löst es sich in Wohlgefallen auf. Auch kommt der Wind nun aus einer guten Richtung, nämlich von hinten. Wir setzen die nur die Fock und lassen uns vom Wind ziehen. Das ist schönes Segeln. Seit unserer Abfahrt in der Türkei haben wir zum ersten Mal Wind, der nicht von Vorne kommt.
Ab neun Uhr beginnen wir mit dem „Schichtbetrieb“. Anja von neun bis elf, Michael dann von elf bis zwei Uhr, dann wieder Anja von zwei bis fünf Uhr. Den Rest macht dann wieder Michael bis zum Frühstück.
In der Nacht schläft aber der Wind ein, so dass das Steuer keine Aufmerksamkeit fordert. Auch der Rudergänger findet zwischendurch etwas Ruhe und muss nur auf die anderen Schiffe in der Umgebung achten. Von denen sind in dieser Nacht nur ganz wenige unterwegs.
Am Morgen frischt der Wind dann wieder auf. Natürlich aus der falschen Richtung, so dass wieder einmal gegen ankreuzen angesagt ist. Aber wir schaffen das. Um zwei Uhr laufen wir in die völlig überfüllte Ankerbucht ein. Nach einer geraumen Zeit der Suche nach einem Plätzchen für uns haben wir Glück. In der Nähe geht gerade ein Schlauchboot Anker auf. Dort passen wir bestimmt noch rein. Wir werfen den Anker, fahren den ordentlich ein und kontrollieren die Position. Der Anker hält!
Wir sind in der Isola Vulcano angekommen. Dass der Vulkan noch aktiv ist, realisiert man spätestens mit dem permanenten Geruch nach faulen Eiern. Die ganze Ankerbucht riecht so. Trotzdem herrscht hier reges Treiben. Schiffe kommen, Schiffe gehen. So richtig wohl fühlen wir uns hier nicht. Aber wir wollen den Vulkan erkunden. Heute Abend aber erst einmal in die Stadt und Internet suchen. Und auch einen Wein trinken.
Unser Beiboot hat zwar einen Außenbordmotor, der will aber nicht so richtig laufen. Bislang hatte Michael noch nicht die Muse den zu reparieren. Vermutlich ist der Vergaser verölt. Ist ein Zweitakter, den wir das letzte Mal nicht leer gefahren hatten.
Also mit den Paddeln zum Ufer. Das ist zudem noch schonend für den Geldbeutel und zuverlässiger als der Motor. 🙂
Die Ortschaft Levante ist ausschließlich touristisch. Es macht auf uns den Eindruck einer riesigen Ferienanlage. Nach einigen Metern auf dem Land, kommen wir an einem Felsen vorbei, den wir als Ursache des Geruches ausmachen. Aus dem gelblichen Stein dringt hier und da Dampf, der nach Schwefel riecht. Zudem ist der Fels sehr warm. Auf der anderen Seite ist ein Schlammloch in dem zahlreiche Gäste baden. Gegen Eintritt natürlich. Der Schlamm soll heilende Wirkung bei Beschwerden des Bewegungsapparates haben und gegen Hautkrankheiten helfen.
Nachts paddeln wir dann wieder zurück zur TRISKÈLE. Mist, wir haben eine Taschenlampe vergessen. Im Dunkeln sollte man sich schon einem nähernden Schiff bemerkbar machen können. Zum Glück geht diese Paddeltour noch gut aus.
Die Nacht bleibt ruhig. Am nächsten Tag wollen wir auf den Vulkan. Aber es soll anders kommen. Der „Schiffsverkehr“ in der Bucht nimmt wieder Ausmaße an, bei denen wir die TRISKÈLE nicht alleine lassen wollen. Wie wild werfen die anderen den Anker, versuchen vergeblich halt und gehen dann wieder Anker auf. Und die Manöver alle mit viel zu knappen Abstand. Wir haben bedenken, dass bei solch einem Manöver unser Anker auch mit herausgerissen werden kann, und die TRISKÈLE dann auf Trift geht. Wir beschließen deshalb an Bord zu bleiben. Für den Fall der Fälle und statt dessen die Fallen auszutauschen und etwas am Amateurfunk zu basteln. Zu schade, denn einen Ausflug zum Krater des Vulkans hat uns sehr interessiert und wäre ein unvergessliches Erlebnis gewesen.
Am Abend beruhigt sich die Lage wieder in der Bucht, so dass wir nun wieder rüber zur Stadt paddeln. Haben wir uns doch gesagt, dass wir pro Monat und pro Land ein typisches Landesessen in einem Restaurant gönnen. Hier wollen wir am Abend eine Pizza essen gehen. Bald machen wir eine Pizzeria aus, wo die Pizzen im Holzofen gebacken werden. Hier werden wir essen gehen. Die Preise waren dann auch überraschend angenehm.
Am nächsten morgen brechen wir in Richtung Palermo auf. Der Wind kommt mal wieder von vorne, aber in einer angenehmen Stärke. Wir kreuzen den ganzen Tag gegen an. Das klappt relativ gut. Wir schaffen in 5 Std. immerhin 15 Seemeilen (Abstand zur Insel. Die Fahrstrecke war das Dreifache 🙁 )
Am nächsten frühen Morgen schläft der Wind wieder ein, um gegen halb zehn wieder einzusetzen. Zunächst mit 3 Beaufort. Eigentlich ist heute Sonntag und es gibt dann immer Kaffee. Doch bereits beim Kaffeekochen dreht der Wind auf. Der Seegang nimmt zu und das Geschaukel im Schiff auch. Kaffee kochen wird zur Geschicklichkeitsprüfung! Im richtigen Moment die richtige Neigung der Wasserkanne haben. Wenn dann eine Welle kommt, sollte man rechtzeitig die „Ausgießneigung“ nachlassen, um den Kaffeefilter nicht zu überfüllen. Und das, wo man sich gleichzeitig selber noch festhalten muss. Naja, mit etwas Verlust beim Heißwasser ist eben zu rechnen. Kaum ist der Kaffee fertig, ruft auch schon Anja hinterm Steuer. Wir müssen dringen reffen! Der Wind hat ordentlich aufgedreht. Also Arbeitsfock rauf und 3. Reff in das Groß einbinden. Jedes Mal ein Zeitaufwand von etwa einer viertel Stunde. Danach wird es etwas angenehmer im Schiff. Die Neigung lässt nach. Der Seegang bleibt. Der Wind dreht weiter auf. Gestern hatten wir noch das Wetter abgerufen. Da war nix von Starkwind drin. Nur maximal 3 Beaufort. Wir messen an Bord fast 7 bft! Warum hält sich das Wetter nur nicht an den Wetterbericht? Frechheit!
Die Wellenhöhe folgt langsam dem Wind und wird höher. Wir merken, dass die TRISKÈLE falsch getrimmt ist. Sie lässt sich nicht mehr in den Wind drehen. Zwar machen wir noch Fahrt, aber so kommen wir nie an. Auch eine Wende wäre so nicht möglich. Vermutlich haben wir im Groß zu wenig Fläche und im Vorsegel zu viel. Wir wollen das in der nächsten
Bucht ändern. Nach Palermo schaffen wir das so nicht, also beschließen wir kurzerhand nach Cefalu zu fahren. Etwa 10 Seemeilen vorher machen wir den Motor an, und fahren das letzte Stück mit Unterstützung der eisernen Genua! Beim Bergen der Segel flucht Michael fürchterlich. Wieso haben wir nicht ein Schiff gekauft, dass eine Rollreffanlage hat? Wo man die Segel vom Cockpit aus bedienen kann? Zum Segel bergen muss Michael immer nach vorne. Das ist kein Spaß. Bei der Wellenhöhe von etwa zweieinhalb Metern ist das am Bug wie Achterbahn fahren. Es geht rauf und runter. Man findet keinen Halt auf dem Deck, und rutscht mit dem Hintern hin und her. Mit einer Hand hält man sich fest, mit der anderen will man die Segel an dem Seezaun festbinden. Manchmal taucht der Bug in die Welle ein, Wasser wird über das Deck gespült und sorgt so für ein feuchtes Gesäß!
In Cefalu ankern wir im Hafenbecken. Das ist kostenlos.
Wir beschließen einen extra Tag hier zu bleiben und wollen am nächsten Tag die Stadt erkunden.
Cefalu ist schön. Eine mittelalterliche Stadt mit viel engen Gassen und Straßen. Mit einer Stadtmauer, die ein bissel an Freinsheim erinnert. Wir schlendern durch die Gassen, bestaunen die vielen Souvenirläden und lassen den Blick immer wieder übers Meer gleiten, wenn es die Stadtmauer zulässt. Hier erlauben wir uns ein Eis. Etwas später kommen wir aus der Altstadt zum neueren Teil. Hier beginnt die „Partymeile“ mit völlig überfüllten Stränden und Ramschhändlern, die ihre Waren auf Karren gepackt feilbieten. Hüte in unüberschaubarer Menge und Tücher! Die Menschen am Strand drängen sich wie die Ölsardinen. Ein Handtuch neben dem anderen. Naja, unsere Sache ist das nicht. Wem es gefällt..
Wir flüchten wieder in die Altstadt. Dort ist es irgendwie geruhsamer. Einen Schiffsausrüster haben wir allerdings vergeblich gesucht. Ebenso wenig einen Supermarkt. Die müssen wohl weiter in den Randbezirken sein. Wir besuchen die Kathedrale der Stadt und finden in ihr einen Moment der Stille. Wir bestaunen das normannische Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert, und sitzen schweigend auf einer der Bänke.
Auf dem Rückweg zum Boot genießen wir noch einen Cappuccino und einen Espresso mit Alkohol, den Michael fälschlicherweise bestellt hatte. Er dachte er bekommt einen normalen Kaffee. Na geschmeckt hat der trotzdem! Hier im Café haben wir wieder Internet, welches wir in der Stadt vergebens gesucht hatten.
Das Café ist schön gelegen. An einem Steilufer mit Blick über die nun ruhigere See. Dennoch donnert unten die Brandung gegen die Felsen. Michael fühlt sich wohl. Das Geräusch der Brandung hat etwas beruhigendes (sofern man nicht gerade AUF der Brandung sitzt) und der sanfte Wind streichelt die Haare.
Der regelmäßige Kontakt in die ehemalige Heimat ist wichtig!
Am Abend und zurück auf der TRISKÈLE nehmen wir uns Zeit, einmal wieder gemeinsam Musik zu machen. Während des Segelns geht das ja nicht, weil ständig jemand am Ruder stehen muss. Aber in der Bucht nutzen wir die Gelegenheit. Es ist schön zusammen mit Anja zu musizieren. Für Frankreich nehmen wir uns vor, wenn mehr Ruhe einkehrt, das wieder regelmäßiger zu machen. Und auch der Mond lässt sich wieder blicken und gibt Hoffnung, dass die Überfahrt nach Sardinien nicht im Stockdunkeln verlaufen wird.
Am nächsten Morgen brechen wir dann in Richtung unseres Absprungortes nach Sardinien auf. Das Ziel Palermo lassen wir fallen und wollen statt dessen bis nach Trapani durchfahren, wo wir uns nochmal mit Proviant versehen wollen. Das sind ca. 90 Seemeilen, die wir in einem Tag eh nicht schaffen. Also wieder über die Nacht fahren.
Kurz nach der Hafenausfahrt und solange der Motor noch läuft, will Michael wie immer das Grauwasser abpumpen und schaltet die Pumpe ein. Nur dieses mal pumpt die nicht! Hört sich so an, als würde die Luft ansaugen. Oh nein. Nicht schon wieder! Die letzte der beiden Membranen ist nun auch hinüber. Die Andere hatten wir bereits in der Türkei gegen diese getauscht. Jetzt haben wir keinen Ersatz mehr. Die bereits neu bestellten Membranen sind zwar mittlerweile in Sardinien eingetroffen, wo wir uns ja mit Freunden treffen wollen, aber die Teile sind eben nicht an Bord. Und bis nach Sardinien ist es noch ein bissel. Michael fahren alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Was, wenn wir wieder so viel Wasser aufnehmen und den Grauwassertank entleeren MÜSSEN? Er brüllt seinen Frust und die Verzweiflung heraus. Flucht darüber, dass alles hier kaputt geht. Nachdem er sich etwas beruhigt hat, versucht er die Membrane mit Reparaturtape zumindest für den Notfall provisorisch zu flicken. Zum Glück gibt es Panzerband! Wir wenden also die französische Reparatur an. Eine andere Möglichkeit haben wir jetzt eh nicht. Also nach dem Motto viel hilft viel, ordentlich Tape drauf. Es muss ja nur luftdicht werden, dass die Membrane wieder ansaugen kann. Nach dem Einbau erfolgt der Test. Es funktioniert! Erleichterung. Hoffentlich hält das bis Sardinien.
Die Küste von Sizilien ist überraschend grün im Vergleich zu der Kretischen Küste. Es ist schön, auf eine grüne Landschaft zu blicken. Gegen Abend passieren wir Palermo. Eine riesige Stadt, die langsam in der Dämmerung alle ihre Lichter zeigt. Beeindruckend! Im Hafen legt ein großes Kreuzfahrschiff ab. Wir beobachten deren Kurs, der auf uns zu verläuft. Der Kreuzfahrer wird immer größer und ist bunt beleuchtet. Wir wissen, dass er uns vor unserem Bug passieren wird. Dennoch ist es immer aufregend, wenn so ein Teil auf einen zufährt. Die Ungewissheit, ob der einen sieht oder nicht bleibt. Lautlos, ruhig und erhaben gleitet der Kreuzfahrer vor uns durch und dreht dann nach Norden ab. Den ganzen Tag hatten wir raumen Wind (also Wind von hinten). Das war schönes Segeln. Keine Krängung und nur wenig Geschaukel. Aber das Meer ist wie eine Frau. Anziehend, verführerisch und unberechenbar! In der Nacht dreht der Wind und kommt wieder von vorne. In einer solchen Stärke, dass wir beschließen, die Segel zu bergen und bis zum Morgen mit Motor zu fahren. Um halb drei nachts ist der Spuk zu Ende. Wir setzten wieder die Segel. Allerdings müssen wir diese ab dem Kap San Vito wieder reffen. Der Wind hält sich wieder nicht an die Regeln und dreht auf. Sehr zum Leidwesen von Michael, denn kaum hat er ein Segel gesetzt, schon wieder vor ans Deck muss, um Änderungen vorzunehmen. Er ist richtig genervt! Das mit dem Segeltrimm klappt noch nicht wirklich und die Segel killen im Wind. Wir versuchen alles, bekommen aber das „Flattern“ der Segel nicht abgestellt. Wir kreuzen wieder bis Michael mal wieder ungeduldig wird und den Motor startet. Die letzten 15 Seemeilen geht es nun direkt gegen den Wind zum Ziel. Man muss an dieser Stelle aber erklären, dass Michael den ganzen Tag seit seinem „Dienstbeginn“ um fünf Uhr am Steuer stand. Anja war es hundeelend. Nein, das war keine Seekrankheit. Anja muss sich wohl den Magen verstimmt haben. Die Nachtwache hielt sie noch unter Übelkeit und Magenkrämpfen Stand, aber dann war es so schlimm, dass sie sich auch noch übergeben musste. Sie ist nicht in der Lage länger als für die nötigen Manöver das Ruder zu übernehmen. Also bleibt Michael dran, während Anja im schaukelnden Schiffsinnern sich versucht zu „erholen“ – vergebens.
Um 17:00 Uhr erreichen wir Trapani. Hier lassen wir gleich hinter dem alten Leuchtturm den Anker fallen. Michael ist total entkräftet und ausgelaugt.
In eine teure Marina wollen wir vorerst nicht. Noch immer ärgern wir uns über den unverschämt teuren Preis in Reggio di Calabria. Das passiert uns nicht noch einmal.
Die Nacht bleibt ruhig und wir können uns ausschlafen.
Am nächsten Morgen wollen wir uns an den Stadtkai verlegen. Also Anker auf und los. Aber was ist das? Der Anker lässt sich nimmer einziehen! Die Ankerwinde quält sich, aber die Kette fährt nur stückchenweise ein. Oh je, wir haben uns was mit dem Anker eingefangen. Nach mehreren Versuchen kommt der Anker der Wasseroberfläche näher und man erkennt das Übel. Ein Unterwasserkabel haben wir uns eingefangen und hängt über der Ankerspitze. Mist, Michael sah sich schon im Taucheranzug. Anja schlägt dann aber vor, den Anker nochmal abzulassen. Ok, ein letzter Versuch. Anker runter und dabei gleich den Bug vom Kabel wegdrehen. Es klappt. Hurra! Erleichterung an Bord.
Es geht weiter zum Stadtkai. Dort legen wir einfach an, ohne jemanden zu fragen, ob wir das dürfen. Wenn es denen nicht gefällt, sollen die uns eben wegjagen, so denken wir. Aber niemand stört sich daran. Keiner kommt und jagt uns weg. Gut, hier bleiben wir bis morgen und gehen nun erst einmal einkaufen für die Überfahrt.
Trapani ist eine hässliche Stadt. Zwar hat diese auch enge Straßen, aber alles ist heruntergekommen, wenig gepflegt und so ziemlich viele Gebäude sind verlassen. Wir suchen einen Supermarkt. Anja geht es noch immer nicht besser und leidet unter Schwindelgefühlen. Michael passt seine Schrittgeschwindigkeit der von Anja an. Nach kurzer Suche finden wir einen „Supermarkt“ mit sehr bescheidener Auswahl und völlig überteuerten Preisen. Wir versorgen uns, und sehen zu, wieder zur TRISKÈLE zu kommen. Einen Schiffszubehörhändler finden wir leider nicht.
Etwas später klopft es bei uns am Schiff. Zuerst dachten wir es ist einer vom Hafen, aber es war nur ein Italiener, der uns Wein verkaufen wollte. Er sprach kaum englisch, und wir ja kaum bis gar nicht italienisch. Er wollte für einen 5 Ltr. Kanister Wein zunächst 40,- € haben. Nein! Solche Kanister hatten wir schon im Supermarkt für 10,- € gesehen. Wir winken ab und argumentieren, dass wir dafür kein Geld haben. Immerhin haben wir ja keinen Job mehr und müssen mit dem Wenigen was wir haben, so weit wie möglich kommen. Michael will den Kanister wieder zurück geben, doch der Italiener winkt ab und geht mit dem Preis auf 35,- € runter. Wir aber bleiben stur. Das Spiel geht so weiter bis der nur noch 15,- haben will. Ok, hier stimmen wir zu. Ist zwar immer noch teuer, aber wir haben uns das Schleppen des Kanisters gespart, und unsere Weinvorräte neigen sich ja auch langsam dem Ende zu.
Anja fühlt sich leider immer noch nicht besser, und der Wetterbericht (Michael glaubt zwar nicht mehr an die Vorhersagen, aber an etwas muss man sich ja halten) sieht für die kommenden zwei Tage auch noch Gegenwind und unangenehme Wellen aus der Richtung vor, in die wir wollen. Erst am dritten Tag soll der Wind drehen. Also beschließen wir noch einen Tag länger am kostenlosen Stadtkai zu bleiben, wo wir sogar kostenloses WIFI haben.
So, jetzt kann Sardinien langsam kommen. Je nach Wind planen wir etwa 5 bis 9 Tage für die nur 150 Seemeilen ein. Aber der Wind kommt eben auf der Strecke meist von vorne.
Wir werden sehen……
https://www.sy-triskele.net/wp-content/uploads/2015/08/P1080099.jpg9001200Anja und Michaelhttps://www.sy-triskele.net/wp-content/uploads/2015/05/Triskele-rot.pngAnja und Michael2015-08-21 16:53:032015-08-21 16:53:03Entlang der Nordküste von Sizilien
Heute vor 10 Tagen sind wir zu unserer ersten großen Überfahrt nämlich von Kreta nach Sizilien aufgebrochen. Es ist schwierig nach einer gewissen Zeit sich an jeden einzelnen Tag zu erinnern, aber wir versuchen, die wichtigsten Erlebnisse unserer Überfahrt aufleben zu lassen. Während der Fahrt war uns es leider nicht möglich, in die Tasten zu greifen. Entweder ist man so mit den Arbeiten an Bord beschäftigt oder man kocht, schläft bzw. hat gerade keine Muse für’s Schreiben. Zudem erschwert die Schaukelei und teilweise Schräglage des Bootes noch, dass man sich in Ruhe hinsetzen kann, um klare Gedanken zu fassen. Michael hat glücklicherweise trotz allem fleißig immer das Logbuch beschrieben. Das nehmen wir nun für die Berichterstattung zur Hilfe.
Unser erster Tag auf See war geprägt von leichten Winden und vielen, vielen Flauten. Das nervte schon gleich zu Beginn, denn immer bei jedem Windhauch wurden die Segel gesetzt um diese ein halbe Stunde oder Stunde später wieder zu bergen. Bei den Flauten motorten wir dann wieder ein Stück. Noch erhofften wir uns, dass es am nächsten Tag besser werden sollte mit dem Wind. Aber im Prinzip zog sich die komplette Fahrt in dem Stil durch.
Bei einem dieser Segelsetzmanöver am ersten Seetag ist dann eine unserer Vorfallleinen gerissen. Michael hatte das Großsegel bereits gesetzt. Danach war wie üblich das Vorsegel dran. Aufgrund der schwachen Winde kramten wir das größte Vorsegel, die Genua, aus der Vorschiffskabine und wollten diese setzen. Es war auch schon fast ganz hochgezogen, als mit einem „Peng“ die Leine riss, und das Segel geradeso wieder auf das Vordeck rauschte. Michael und Anja sahen wie in Trance zu, wie sich das Segel so breit wie lang auf dem Deck verteilte.(Anmerkung Michael: Ich will gar nicht wissen, wie blöd mein Gesichtsausdruck in dem Moment war und welche Farben es annahm. Das Segel rauschte wie in Zeitlupe an mir vorbei und am Ende flatterte das gerissene Fallenende als wolle es mir zuwinken und Ätsch rufen). Mist aber auch! Wir hätten die Vorfallleinen doch noch in der Türkei austauschen sollen! Leider haben wir am falschen Ende gespart und haben damals in Marmaris zwar über einen Austausch der Leinen gesprochen, jedoch uns wegen der Kosten dagegen entschieden. Diese sollten noch bis Frankreich die Fahrt überstehen. Nun leider jedoch nicht. Was nun? Nach dem ersten Schock, haben wir dann die 2. Vorfallleine genommen und das Segel gesetzt. Seit dem Zeitpunkt hat Michael aber dann die Vorsegel nicht mehr ganz hoch gezogen, aus Angst, auch die 2. Leine könnte reißen und dann könnten wir gar nicht mehr mit Vorsegel weiter segeln. Also ging es mit Vorsicht weiter.
Die Nachtwachen teilten wir uns so ein, dass Anja von 21-23 Uhr als erstes das Steuer übernahm. Michael hatte die Nachtwache von 23-02 Uhr, Anja dann von 02-05 Uhr und Michael dann wieder von 05-08 Uhr. Diesen Rhythmus hielten wir die Zeit auf See über ein.
Am zweiten Tag (05.08.) hatten wir überwiegend schwache Winde mit 2-3 Beaufort. Wir konnten endlich mehr segeln. An dem Tag schafften wir stolze 55 Seemeilen und mussten nur 3 Stunden motoren. Leider stimmten die Windrichtungen und die Windstärken in keiner Weise mit den Vorhersagen überein, somit kreuzen wir. Aber was sollten wir auch machen…weiter geht es. Wir kommen schon irgendwie an unser nächstes Ziel (Sizilien). Leider haben wir uns selbst unter Zeitdruck gestellt, indem wir unbedingt auf Sardinien und Korsika Freunde treffen wollen, die zu einem bestimmten Zeitfenster dort vor Ort sind. Aber auch wollen wir bis zu den kommenden Herbststürmen in Frankreich sein.
In der Nacht nahm der Wind auf 3-4 Beaufort zu. Wir verkleinerten das Vorsegel und setzten unsere Fock I, da wir nachts noch nicht unter voller Beseglung einfach aus Sicherheitsgründen bzw. Unerfahrenheit segeln wollten. Langsam aber sicher sprechen wir an Bord über Heimweh und über die Dinge, die wir doch sehr von unserem alten Zuhause vermissen.
Der dritte Tag bescherte uns wieder Schwachwinde und viele, viele Flauten, die wir unter Motor überbrückten. Eigentlich hatten wir ja gesagt, dass wir Flauten ganz einfach aussetzen und auf Wind warten. Aber durch die Tatsache, dass wir Ende August in Sardinien sein wollen, müssen wir es eigentlich laufen lassen. An Bord diskutieren wir zum ersten Mal darüber, ob wir motoren sollen oder die Flauten abwettern. Aber wann kommt eine Wetterbesserung, sprich Wind zum Segeln? Die Frage konnte uns leider keiner beantworten. Zudem nervte es gewaltig, wenn die Segel von der Dünung hin und her geschlagen werden. Die Triskèle wiegt sich hin und her und somit auch dass komplette Segelgeschirr. Mit jedem Hin und Her fliegen scheppert es zudem in den Bordstaufächern. Es knarrt, quietscht und klappert. Von den Nachwachen sind wir zudem auch unausgeschlafen und angespannt zugleich. Derjenige, der sich während der Nacht zum Schlafen hinlegen möchte kann meist nicht gleich einschlafen bzw. wird durch das Scheppern und Rollen der Yacht meist noch eine Weile wach gehalten. Nachts herrscht reger Schiffsverkehr und der Wachhabende muss volle Konzentration behalten. Mitten in der Nachtwache von Anja werden wir 3 Mal von einem nahe an uns vorbei fahrenden Frachter angeleuchtet. Was soll denn das? Anja ruft nach Michael, der verschlafen an Deck stürmt. Der Frachter war ganz schön auf Tuchfühlung, aber dreht bei und verschwindet dann auch gleich in der Dunkelheit. Wir rätseln noch lange auch am nächsten Tag, was diese unheimliche Begegnung zu bedeuten hatte.
Auch am vierten Tag (07.08.) bessern sich die Windverhältnisse nicht und zehren ganz schön an unsere Nerven. Wir kommen nur langsam voran. Am späten Nachmittag und am Abend war ein Segeln mit 2.5 Knoten möglich. Für die Nacht beschließen wir jedoch, mit Motor weiter zu fahren um auch manövrierfähig zu bleiben. Nachts im Dunkeln einem Frachter nicht ausweichen zu können, das wäre nicht so der Hit! An dem Tag schafften wir nur 28 Seemeilen wobei wir noch 12 Stunden motort sind.
Der fünfte Tag (08.08.): Wieder motoren wir. Um 13:15 machen wir den Motor aus und lassen uns treiben. Irgendwann geht einem auch das Motorengeräusch auf den Zeiger. Wir können doch nicht die ganze Strecke unter Motor fahren! Würde der Sprit überhaupt reichen? Wir rechnen durch. Wer weiß ob wir aber für den Notfall dann auch noch genügend Sprit haben? Die Tankanzeige sieht vertretbar aus. Motoren kostet jedoch Geld, was wir nicht unnötig verpulvern wollten. Das Meer gleicht einem Spiegel, jedoch haben wir genügend Dünung um hin und her geschaukelt zu werden. Das Boot rollt unangenehm. Anja beschließt eine Runde im Meer zu baden. Ist ja eigentlich nichts anderes als in einer Bucht. Doch beim Gedanken, dass unter ihr 3000 Meter Wasser sind, schwimmt sie nicht weit und hält sich immer mit einer Hand an der Triskèle fest. Welch ein blau in der Tiefe des Meeres! Ein Blick nach unten mit der Taucherbrille ist beeindruckend auch wenn man nur blaues Wasser sehen kann. An Fischen kann Anja leider nur einen kleinen Barsch ausmachen, der um unser Boot herumschwirrt. Zu schade, um diesen zu Angeln und zum Essen auch zu wenig. Er soll seine Freiheit weiter genießen dürfen. Um 15:30 kommt eine leichte Brise. Wir ziehen die Segel hoch.
In der Ferne entstehen Gewitter, die rasch näher kommen. Dachten wir doch, dass diese an uns vorbeiziehen würden. Leider falsch gedacht! Zu schnell und plötzlich kommen die schwarzen Gewitterwolken auf uns zugerast. Schnell Segel bergen! Michael holt das Großsegel runter. Anja lenkt die Triskèle in den Wind, damit das Segel im Wind geborgen werden kann. Dabei stellten wir fest, dass sich binnen Minuten eine gewaltige See aufgebaut hatte. Der Wind dreht auf. Von Windstärke 1 in Minuten auf Windstärke 10. Keine Zeit um das Großsegel zu sichern. Schnell das Vorsegel runter! Bedingt dadurch, dass Anja die Triskèle nicht richtig in den Wind stellen konnte, hat Michael Mühe das Vorsegel zu bergen. Der Bug tanzt in den Wellen. Anja hat zu wenig Gas zum Anfang und kommt nicht gegen die Wellen und den Wind an. Mit Vollgas ging es dann. Das Großsegel schlägt derweil und flattert im Wind. Anja hält es an einer der Reffleinen angezogen, damit es nicht zu arg in der Gegend umherschlägt. Wir fallen ab und laufen vor dem Sturm. Immer wieder lassen die ca. 2,5 m Wellen die Triskèle auf den Wellen surfen. Der Wind peitscht die Wellen auf. Etwa eine Stunde später lässt der Wind nach und schläft gänzlich wieder ein. Die See bleibt jedoch aufgewühlt und lässt die Yacht rollen. Wir beide sind erleichtert, dass wir die Segel bergen konnten, dass das Gewitter vorbei war und wir noch heile an Bord. Jedoch hat uns die überraschende Kehrtwende des Gewitters sehr viel Ehrfurcht vor dem Meer und dem Wetter beschert. Wir sprechen offen über unsere durchlebte Angst während diesem Gewitter. Sollten wir doch aufgeben und unsere Reise beenden? Sind wir dem Ganzen gewachsen? War unsere Entscheidung, in Deutschland alles aufzugeben, falsch? Wir sind uns einig, dass wir erst einmal weitermachen. Wir geben doch nicht nach dem ersten Sturm auf!
Wir sind eben noch unerfahren und müssen uns noch an so viele Dinge gewöhnen. Woher sollte die Erfahrung auch kommen, wenn man diese nicht bei solchen Ereignissen sammelt? Dennoch sprechen wir wieder das Heimweh an. Es gibt viele Dinge, die wir von Land her vermissen. Besonders Michael plagt das Heimweh. Fix und alle fahren wir mit Motor durch die Nacht und beobachten kritisch die leichten Gewitter in der Ferne. Michael wird zudem noch von Rückenschmerzen geplagt. Hoffentlich bessert sich sein Zustand in den kommenden Tagen. Er kann kaum mehr richtig laufen und quält sich bei jedem Schritt.
Schadensmeldung vom Boot durch das Gewitter: Eine Lasche am Großsegel hat es durch das Schlagen im Wind aufgefetzt und die darin enthaltene Stabilisationslatte ist über Bord gegangen. Latten hätten wir an Bord, jedoch müssen wir die Lasche nähen lassen oder selbst versuchen zu nähen.
Am sechsten Tag auf See (09.08.)war das Meer vom gestrigen Gewitter noch ziemlich aufgewühlt. Wir allerdings auch noch. Michael nimmt Schmerztabletten für den Rücken ein.
Heute ist Sonntag und da gibt es bei uns an Bord Kaffee zum Frühstück. Michael freut sich immer wieder sehr auf unsere Sonntage, ein kleiner Trost zumindest. Gegen Mittag kommt eine leichte Brise auf, sodass wir Segel setzen und ein bissel Segeltrimm üben und ausprobieren. Gegen Abend schläft der Wind wieder ein. Wir nehmen die Segel runter und lassen uns treiben. Es war ein schöner Abend. Erst nach Einbruch der Dunkelheit sind wir mit Motor weitergefahren.
Der Wind kommt am siebten Tag aus Nord mit ca. 2 Beaufort. Wir können bis 17 Uhr segeln. Dann zieht jedoch ein Gewitter auf, wir drehen bei und warten bis das Gewitter vorbei ist. Nicht noch einmal wollen wir mit dem Bergen der Segel zu spät dran sein. Dieses zieht jedoch nicht über uns hinweg. So haben wir nur die Ausläufer mit Wind und Wellen. Während der Zeit des Beidrehens kochen wir uns etwas Gutes zu Nacht. In der Nacht können wir gerefft segeln. Michael wird nun jedoch ungeduldig und will langsam endlich ankommen. Um Mitternacht sind es noch etwas 60 Seemeilen bis Messina/Sizilien. In der Nacht schläft der Wind wieder ein und wir drehen uns im Kreis. Es ist kein Vorankommen mehr.
In den Morgenstunden des 8. Seetages (11.08.) wirft Michael unter Protest von Anja wieder den Motor an. Michael ist endgültig genervt und will ankommen, will festmachen. Ärgert er sich doch ständig über verhedderte und überlaufende Leinen beim Bedienen der Winschen zum Segelsetzen. Ihm tun die Knochen weh, ist müde und ausgelaugt von den letzten Tagen auf See. Wieder verheizen wir Diesel. „Aber sonst kommen wir heute nicht mehr in Messina an“, gibt Michael den Einwand. Der Gedanke, in der Straße von Messina in der Schifffahrtsstraße herumzudümpeln ist auch nicht sehr berauschend. Bei der Einfahrt in die Straße ziehen wieder Gewitter mit stärkeren Winden auf. Die See wird zunehmend rauer, ungemütlicher und so fahren wir kurzerhand nach Reggio di Calabria statt nach Messina. Dort wollen wir endlich festmachen und uns mit neuen Leinen für das Vorsegel und das Großsegel versorgen. Dringend jedoch wollen wir uns erholen und ausschlafen! Ursprünglich wollten wir im Stadthafen längsseits an der Kaimauer festmachen. Dort wurden wir jedoch von der Küstenwache verjagt und zur Marina verwiesen. Die Marina ist klein und eng. Michael quälte sich rückwärts an den Anleger. Nach vielen Versuchen hat es dann endlich geklappt. Die Marina ist teuer und bietet keinen Service für 50 €/Nacht. Wasser und Strom ist zwar kostenlos am Steg, jedoch sind die Sanitäranlagen ca. 1 km zu Fuß weg. Das ist ein absolutes Nogo! Free WIFI haben sie auch nicht wirklich. Um Internet zu bekommen müssen wir knapp einen Kilometer zu einem Restaurant laufen und natürlich dort wieder etwas bestellen. Auch das Stadtzentrum zum Einkaufen ist 30 Minuten entfernt. Zum Glück sprach uns ein Italiener namens Saverio an. Er ist Taxifahrer und ist laut Rod Heikell so was wie der gute Samariter für Yachties und hilft bei Besorgungen. Er kann natürlich kein Deutsch, Englisch oder Französisch, wir natürlich kein Italienisch. „Supermarket“ hatte er jedoch verstanden und dass wir für den Fahrtdienst kein Geld hätten. Aber so kamen wir kostenlos zum Supermarkt und konnten einkaufen. Zwei Leinen, sowie eine neue LED-Leuchte für unser Hecklicht konnten wir dann auch noch in einem Marineshop besorgen. In der Türkei wäre uns das allerdings alles billiger gekommen. Das Hecklicht wird noch vor Ort im Hafen ausgetauscht. Das Austauschen der Leinen machen wir in der nächsten Ankerbucht. Wir wollen auf jeden Fall den hässlichen, teuren Hafen verlassen und durch die Straße von Messina kommen am nächsten Tag. Als nächstes Ziel nehmen wir uns die Isola Vulcano vor.
https://www.sy-triskele.net/wp-content/uploads/2015/08/P1070952.jpg9001200Anja und Michaelhttps://www.sy-triskele.net/wp-content/uploads/2015/05/Triskele-rot.pngAnja und Michael2015-08-14 19:26:132015-08-14 19:26:13Überfahrt nach Sizilien 04.08.-11.08.15
Rasante Überfahrt nach Sardinien
von Anja und MichaelDie Abfahrt aus dem Hafen von Trapani hatte sich leider etwas verzögert. Wollten wir doch gegen Vormittag eigentlich aufbrechen, kam es anders als geplant. Als erstes mussten wir ewig nach einer geöffneten Bäckerei suchen, um uns für die nächsten Tage mit Brot einzudecken. Diese Stadt hat wirklich nicht viel zu bieten. Die Gassen sind leer und nur vereinzelt ein Bed & Breakfast Hotel, wo Stühle in die Fußgängerzone ragen. Ein paar Feinkostläden ohne Brot finden wir und diverse Klamottenläden. Wir laufen uns die Füße wund für einen Laib Brot. Dann am anderen Ende der Stadt endlich eine Bäckerei, die auch Pizza verkauft. Schnell drei Laib für die nächsten Tage gekauft und ab zurück zum Boot.
Die zweite Abfahrtsbremse war eine defekte Dichtung der hinteren Toilette. Diesen Defekt hatte Anja bereits am Abend vor der Abreise festgestellt. Bei Betätigung des Pumphebels der Toilette spritzte Wasser seitlich heraus. Nun gut, dann benutzen wir eben nur die vordere Toilette, so dachten wir abends noch. Am Morgen vor der Abfahrt wollte Michael die Schrauben etwas nachziehen, so dass die Dichtung wieder abdichten sollte. Dies hat leider nicht funktioniert, und um die Dichtung herum tropfte nun ohne Betätigung des Hebels Wasser heraus.
„So können wir nicht in See stechen“, sagt Anja. Sie weiß im gleichen Moment, dass dies für Michael keine Hiobsbotschaft ist, da er nun wieder zu Werkzeug greifen muss, um die Sache ins Reine zu bringen. Michael ärgert sich und hat absolut keine Lust nun noch das Klo zu reparieren! „Wir wollen doch los! Warum jetzt?“ Aber es geht kein Weg daran vorbei. Die Toilette können wir nicht während der ganzen Überfahrt vor sich hin tropfen lassen. Da läuft die ganze Brühe ja auf den Boden bzw. in die Bilge rein und müffelt vor sich hin.
„Wer solche Toiletten erfindet, sollte diese doch auch einmal selbst reparieren müssen“, schimpft Michael. Nicht dass man an die entsprechenden Schrauben direkt dran kommen könnte, nein, man muss erst die komplette Schüssel abmontieren. Dennoch schnell, zwar unter Fluchen, tauscht Michael die defekte Dichtung aus. Anja assistiert und versucht ihren Michael mental aufzubauen.
Um halb zwölf sind wir dann soweit fertig, dass wir weiter zur Tankstelle können. Wir wollen auf jeden Fall noch einmal 100 Liter tanken. Wer weiß ob wir wegen Flaute wieder motoren oder aus sonstigen Gründen den Motor anwerfen müssen. Sicher, ist sicher sagen wir uns. Über den Spritpreis sind wir allerdings schockiert! Hier verlangt man bereits 1,60 €/ Ltr. Diesel! Die Preise werden irgendwie immer teurer.
Am zweiten Tag auf See nimmt der Wind gegen Mittag zu, ebenso die Wellen, die sich auf ca. 2 Meter aufbauen. Der Wind kommt aus SO mit ca. 4-5 bft, wir machen mit Rückenwind gute Fahrt. Der Himmel ist wolkenlos bei 30 °C. Den ganzen Tag kommen uns Wasserschildkröten entgegen, die gegen Wind und Welle schwimmen. Beeindruckend wie viele uns passieren. Es müssen hunderte unterwegs sein. Wir sehen schließlich nur die, die unweit unseres Bootes vorbei schwimmen. Man könnte meinen, wir sind auf einer typischen „Wasserschildkrötenroute“. Auch wenn Schildkröten bekanntlich als langsame Tiere gelten, so gelingt es uns nicht, eine davon zu fotografieren. Bis wir diese seitlich vom Boot ausfindig machen können, sind sie auch schon in den Wellen wieder verschwunden.
Gegen Abend beschließen wir die Fock zu bergen und im 1. Reff im Großsegel durch die Nacht zu fahren. Wir machen auch ohne Vorsegel noch 6,5 Knoten und kommen schneller voran, als wir gedacht hatten. Wenn der Wind in der Nacht weiter bleibt, kommen wir früher als geplant in Sardinien an. Aufgrund der Windrichtung und des anzutreffenden Schwells bei Sardinien, beschließen wir das Ziel nach Porto Coralo zu verlegen. Das ursprüngliche Ziel wäre nach Süd hin offen gewesen und hätte uns bei der Windrichtung keinen Schutz geboten.
Da der Wind und die Wellen auch nachts blieben, haben wir uns bei der Nachtwache immer angeschnallt. Die sich auf 2 Meter Höhe auftürmenden anrollenden Wellen sehen im Mondschein beeindruckend aus und flößen einem doch Respekt ein. Am hellichten Tag sehen diese nur „halb so wild“ aus. Der Rudergänger hat die Nacht gut zu tun und in der Koje findet die Freiwache aufgrund des Geschaukels nur selten richtig Schlaf. Aber auch die Nacht haben wir überstanden und nach einer kleinen Flaute in den frühen Morgenstunden sind wir nach „nur“ 48 Stunden auf See in Sardinien angekommen.
Welch eine rasante Überfahrt! Geplant hatten wir 5-7 Tage für die Fahrt, wenn wir kreuzen müssten oder Flauten aussitzen und nun sind wir da!
Um 16 Uhr wollten wir dann im Hafenbüro die bevorstehende Nacht bezahlen. 52 € hätten wir blechen sollen. Das ist uns natürlich zu teuer und erinnerte uns sogleich an den überteuerten Hafen von Reggio di Calabria. „No, to expensive for us! We leave.“ sagten wir der Dame im Büro. Völlig verdattert schaute sie uns an und händigte uns unsere Schiffspapiere wieder aus. Es scheint wohl nicht vorzukommen, dass die Bootseigner aufgrund der überhöhten Preise wieder reiß aus nehmen.
Aber der Hafen ist eine bereits seit Jahrzehnten bestehende Baustelle. Es steht zwar ein Gebäude dort, welches evtl. für ein Hafenbüro ursprünglich gedacht war, jedoch verwahrlost und leerstehend ist. Das Hafenbüro ist provisorischen in Containern untergebracht. Ebenso sind die Sanitäranlagen alles andere als 52 € wert. Diese sind ebenso Container mit Stehtoilette und Duschen, die absolut provisorisch installiert sind. Wir machen die Leinen wieder los und verlegen in eine nahegelegene Bucht, in der der Schwell erträglich ist. An den vorgelagerten Riffen brechen sich die Wellen, sodass wir einigermaßen ruhig liegen können.
Hier in der Bucht bleiben wir vorerst ein paar Tage, bevor wir weiter fahren, um unsere Freunde zu treffen. Wir freuen uns schon sehr darauf, dass wir wieder bekannte Gesichter sehen!
In der Zeit des Entspannens bleibt somit Zeit für die Reparatur der Ankerwinde 🙂
Diese baut Michael dann einmal auseinander und wieder zusammen und sie geht wieder.
Abends paddeln wir an Land zur Strandbar und suchen wieder free WIFI um unsere Mails zu checken und Kontakt zur Heimat aufzunehmen. Die TRISKÈLE sieht ja doch toll aus so vom Strand aus gesehen. Den restlichen Abend verlegen wir uns dann wieder aufs Vordeck und genießen den Sternenhimmel bei einem Gläschen Rotwein.
Hier machen wir jetzt mal ein paar Tage „Urlaub“ 🙂
Entlang der Nordküste von Sizilien
von Anja und MichaelNach den Tagen auf See mit dem „Schichtbetrieb“ am Ruder, haben wir uns vorgenommen, heute in der Marina von Reggio di Calabria auszuschlafen. Also sind wir erst um halb zwölf ausgelaufen, nachdem wir etwas Diesel gebunkert hatten. Wir wussten sowieso, dass wir die ca. 55 Seemeilen zur Isola Vulcano nicht an einem Tag bewältigen können. Nicht bei diesen Windverhältnissen.
Die Straße wird langsam enger. Gegenströmung hat uns unser Tidenprogramm berechnet. Seltsamerweise steigt unsere Geschwindigkeit kurz vor der Meeresenge auf knapp 7,5 Knoten (normalerweise erreichen wir eine Geschwindigkeit von etwa 5,5 Knoten), ohne dass wir mehr Gas gegeben hätten. Von Verwirbelungen und Wasserstrudel war die Rede im Küstenhandbuch. Also alle Aufmerksamkeit auf die Wasseroberfläche. Dann bauen sich über uns auch noch dunkle grau Wolken auf, aus denen es langsam anfängt zu regnen. Wir ziehen uns unsere Schwerwetterkleidung an. Es sind etwa 25°C und wir sind angezogen wie im Winter. Es fängt stärker an zu regnen. Dann noch stärker. Toll, die Klamotten sind echt Wasserdicht und lassen keinen Tropfen vom Regen durchdringen. Aber auch keinen Tropfen vom Schwitzen nach draußen. Gefühlte zwanzig Minuten später ist der Regen vorbei, und der Himmel klart etwas auf. Man könnte meinen da dringt etwas blau vom Himmel durch.
Die Straße wird langsam wieder etwas breiter und wir nähern uns dem Ausgang. Bald können wir unseren Kurs in Richtung Isola Vulkano setzten. Hinter uns hören wir bereits wieder ein Grollen in der Ferne. Dieses mal sollte es uns aber nicht mehr erreichen, ist unsere Position ja in Windrichtung VOR dem Gewitter. Wir setzten Segel und genießen die leichte Brise die uns zu unserem Ziel bläst. Das Gewitter wird lauter und kommt näher. Ein Blick zurück ist beängstigend, ist der Ausgang der Straße von Messina bereits in einem grauen Schleier verhüllt. „Egal, das kann gar nicht kommen“ meint Michael. Nach jedem Blitz zählen wir die Sekunden. Wir zählen auf 10. Dann auf 7, und später auf 5. Das Donnern fühlt sich an, als wären wir mittendrin, so laut nah fühlt es sich an. Langsam werden wir nervös und starten den Motor. Bergen die Segel. War uns unser Leichtsinn auf der Überfahrt noch in guter Erinnerung. Wir fahren mit etwa 6 Knoten unserem Ziel entgegen. Das Gewitter folgt uns. Ein Schiff nach dem anderen, das in Richtung Messina fährt verschwindet im Grau des Regens. Das muss ganz schön heftig regnen! Mal kommt der Regen näher, dann löst er sich wieder auf. So geht das Spiel bis etwa 16:00 Uhr. Dann endlich löst es sich in Wohlgefallen auf. Auch kommt der Wind nun aus einer guten Richtung, nämlich von hinten. Wir setzen die nur die Fock und lassen uns vom Wind ziehen. Das ist schönes Segeln. Seit unserer Abfahrt in der Türkei haben wir zum ersten Mal Wind, der nicht von Vorne kommt.
Ab neun Uhr beginnen wir mit dem „Schichtbetrieb“. Anja von neun bis elf, Michael dann von elf bis zwei Uhr, dann wieder Anja von zwei bis fünf Uhr. Den Rest macht dann wieder Michael bis zum Frühstück.
In der Nacht schläft aber der Wind ein, so dass das Steuer keine Aufmerksamkeit fordert. Auch der Rudergänger findet zwischendurch etwas Ruhe und muss nur auf die anderen Schiffe in der Umgebung achten. Von denen sind in dieser Nacht nur ganz wenige unterwegs.
Wir sind in der Isola Vulcano angekommen. Dass der Vulkan noch aktiv ist, realisiert man spätestens mit dem permanenten Geruch nach faulen Eiern. Die ganze Ankerbucht riecht so. Trotzdem herrscht hier reges Treiben. Schiffe kommen, Schiffe gehen. So richtig wohl fühlen wir uns hier nicht. Aber wir wollen den Vulkan erkunden. Heute Abend aber erst einmal in die Stadt und Internet suchen. Und auch einen Wein trinken.
Unser Beiboot hat zwar einen Außenbordmotor, der will aber nicht so richtig laufen. Bislang hatte Michael noch nicht die Muse den zu reparieren. Vermutlich ist der Vergaser verölt. Ist ein Zweitakter, den wir das letzte Mal nicht leer gefahren hatten.
Also mit den Paddeln zum Ufer. Das ist zudem noch schonend für den Geldbeutel und zuverlässiger als der Motor. 🙂
Nachts paddeln wir dann wieder zurück zur TRISKÈLE. Mist, wir haben eine Taschenlampe vergessen. Im Dunkeln sollte man sich schon einem nähernden Schiff bemerkbar machen können. Zum Glück geht diese Paddeltour noch gut aus.
Die Nacht bleibt ruhig. Am nächsten Tag wollen wir auf den Vulkan. Aber es soll anders kommen. Der „Schiffsverkehr“ in der Bucht nimmt wieder Ausmaße an, bei denen wir die TRISKÈLE nicht alleine lassen wollen. Wie wild werfen die anderen den Anker, versuchen vergeblich halt und gehen dann wieder Anker auf. Und die Manöver alle mit viel zu knappen Abstand. Wir haben bedenken, dass bei solch einem Manöver unser Anker auch mit herausgerissen werden kann, und die TRISKÈLE dann auf Trift geht. Wir beschließen deshalb an Bord zu bleiben. Für den Fall der Fälle und statt dessen die Fallen auszutauschen und etwas am Amateurfunk zu basteln. Zu schade, denn einen Ausflug zum Krater des Vulkans hat uns sehr interessiert und wäre ein unvergessliches Erlebnis gewesen.
Am nächsten morgen brechen wir in Richtung Palermo auf. Der Wind kommt mal wieder von vorne, aber in einer angenehmen Stärke. Wir kreuzen den ganzen Tag gegen an. Das klappt relativ gut. Wir schaffen in 5 Std. immerhin 15 Seemeilen (Abstand zur Insel. Die Fahrstrecke war das Dreifache 🙁 )
Am nächsten frühen Morgen schläft der Wind wieder ein, um gegen halb zehn wieder einzusetzen. Zunächst mit 3 Beaufort. Eigentlich ist heute Sonntag und es gibt dann immer Kaffee. Doch bereits beim Kaffeekochen dreht der Wind auf. Der Seegang nimmt zu und das Geschaukel im Schiff auch. Kaffee kochen wird zur Geschicklichkeitsprüfung! Im richtigen Moment die richtige Neigung der Wasserkanne haben. Wenn dann eine Welle kommt, sollte man rechtzeitig die „Ausgießneigung“ nachlassen, um den Kaffeefilter nicht zu überfüllen. Und das, wo man sich gleichzeitig selber noch festhalten muss. Naja, mit etwas Verlust beim Heißwasser ist eben zu rechnen. Kaum ist der Kaffee fertig, ruft auch schon Anja hinterm Steuer. Wir müssen dringen reffen! Der Wind hat ordentlich aufgedreht. Also Arbeitsfock rauf und 3. Reff in das Groß einbinden. Jedes Mal ein Zeitaufwand von etwa einer viertel Stunde. Danach wird es etwas angenehmer im Schiff. Die Neigung lässt nach. Der Seegang bleibt. Der Wind dreht weiter auf. Gestern hatten wir noch das Wetter abgerufen. Da war nix von Starkwind drin. Nur maximal 3 Beaufort. Wir messen an Bord fast 7 bft! Warum hält sich das Wetter nur nicht an den Wetterbericht? Frechheit!
Bucht ändern. Nach Palermo schaffen wir das so nicht, also beschließen wir kurzerhand nach Cefalu zu fahren. Etwa 10 Seemeilen vorher machen wir den Motor an, und fahren das letzte Stück mit Unterstützung der eisernen Genua! Beim Bergen der Segel flucht Michael fürchterlich. Wieso haben wir nicht ein Schiff gekauft, dass eine Rollreffanlage hat? Wo man die Segel vom Cockpit aus bedienen kann? Zum Segel bergen muss Michael immer nach vorne. Das ist kein Spaß. Bei der Wellenhöhe von etwa zweieinhalb Metern ist das am Bug wie Achterbahn fahren. Es geht rauf und runter. Man findet keinen Halt auf dem Deck, und rutscht mit dem Hintern hin und her. Mit einer Hand hält man sich fest, mit der anderen will man die Segel an dem Seezaun festbinden. Manchmal taucht der Bug in die Welle ein, Wasser wird über das Deck gespült und sorgt so für ein feuchtes Gesäß!
In Cefalu ankern wir im Hafenbecken. Das ist kostenlos.
Cefalu ist schön. Eine mittelalterliche Stadt mit viel engen Gassen und Straßen. Mit einer Stadtmauer, die ein bissel an Freinsheim erinnert. Wir schlendern durch die Gassen, bestaunen die vielen Souvenirläden und lassen den Blick immer wieder übers Meer gleiten, wenn es die Stadtmauer zulässt. Hier erlauben wir uns ein Eis. Etwas später kommen wir aus der Altstadt zum neueren Teil. Hier beginnt die „Partymeile“ mit völlig überfüllten Stränden und Ramschhändlern, die ihre Waren auf Karren gepackt feilbieten. Hüte in unüberschaubarer Menge und Tücher! Die Menschen am Strand drängen sich wie die Ölsardinen. Ein Handtuch neben dem anderen. Naja, unsere Sache ist das nicht. Wem es gefällt..
Wir flüchten wieder in die Altstadt. Dort ist es irgendwie geruhsamer. Einen Schiffsausrüster haben wir allerdings vergeblich gesucht. Ebenso wenig einen Supermarkt. Die müssen wohl weiter in den Randbezirken sein. Wir besuchen die Kathedrale der Stadt und finden in ihr einen Moment der Stille. Wir bestaunen das normannische Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert, und sitzen schweigend auf einer der Bänke.
Auf dem Rückweg zum Boot genießen wir noch einen Cappuccino und einen Espresso mit Alkohol, den Michael fälschlicherweise bestellt hatte. Er dachte er bekommt einen normalen Kaffee. Na geschmeckt hat der trotzdem! Hier im Café haben wir wieder Internet, welches wir in der Stadt vergebens gesucht hatten.
Das Café ist schön gelegen. An einem Steilufer mit Blick über die nun ruhigere See. Dennoch donnert unten die Brandung gegen die Felsen. Michael fühlt sich wohl. Das Geräusch der Brandung hat etwas beruhigendes (sofern man nicht gerade AUF der Brandung sitzt) und der sanfte Wind streichelt die Haare.
Der regelmäßige Kontakt in die ehemalige Heimat ist wichtig!
Am Abend und zurück auf der TRISKÈLE nehmen wir uns Zeit, einmal wieder gemeinsam Musik zu machen. Während des Segelns geht das ja nicht, weil ständig jemand am Ruder stehen muss. Aber in der Bucht nutzen wir die Gelegenheit. Es ist schön zusammen mit Anja zu musizieren. Für Frankreich nehmen wir uns vor, wenn mehr Ruhe einkehrt, das wieder regelmäßiger zu machen. Und auch der Mond lässt sich wieder blicken und gibt Hoffnung, dass die Überfahrt nach Sardinien nicht im Stockdunkeln verlaufen wird.
Am nächsten Morgen brechen wir dann in Richtung unseres Absprungortes nach Sardinien auf. Das Ziel Palermo lassen wir fallen und wollen statt dessen bis nach Trapani durchfahren, wo wir uns nochmal mit Proviant versehen wollen. Das sind ca. 90 Seemeilen, die wir in einem Tag eh nicht schaffen. Also wieder über die Nacht fahren.
Um 17:00 Uhr erreichen wir Trapani. Hier lassen wir gleich hinter dem alten Leuchtturm den Anker fallen. Michael ist total entkräftet und ausgelaugt.
In eine teure Marina wollen wir vorerst nicht. Noch immer ärgern wir uns über den unverschämt teuren Preis in Reggio di Calabria. Das passiert uns nicht noch einmal.
Die Nacht bleibt ruhig und wir können uns ausschlafen.
Am nächsten Morgen wollen wir uns an den Stadtkai verlegen. Also Anker auf und los. Aber was ist das? Der Anker lässt sich nimmer einziehen! Die Ankerwinde quält sich, aber die Kette fährt nur stückchenweise ein. Oh je, wir haben uns was mit dem Anker eingefangen. Nach mehreren Versuchen kommt der Anker der Wasseroberfläche näher und man erkennt das Übel. Ein Unterwasserkabel haben wir uns eingefangen und hängt über der Ankerspitze. Mist, Michael sah sich schon im Taucheranzug. Anja schlägt dann aber vor, den Anker nochmal abzulassen. Ok, ein letzter Versuch. Anker runter und dabei gleich den Bug vom Kabel wegdrehen. Es klappt. Hurra! Erleichterung an Bord.
Es geht weiter zum Stadtkai. Dort legen wir einfach an, ohne jemanden zu fragen, ob wir das dürfen. Wenn es denen nicht gefällt, sollen die uns eben wegjagen, so denken wir. Aber niemand stört sich daran. Keiner kommt und jagt uns weg. Gut, hier bleiben wir bis morgen und gehen nun erst einmal einkaufen für die Überfahrt.
Trapani ist eine hässliche Stadt. Zwar hat diese auch enge Straßen, aber alles ist heruntergekommen, wenig gepflegt und so ziemlich viele Gebäude sind verlassen. Wir suchen einen Supermarkt. Anja geht es noch immer nicht besser und leidet unter Schwindelgefühlen. Michael passt seine Schrittgeschwindigkeit der von Anja an. Nach kurzer Suche finden wir einen „Supermarkt“ mit sehr bescheidener Auswahl und völlig überteuerten Preisen. Wir versorgen uns, und sehen zu, wieder zur TRISKÈLE zu kommen. Einen Schiffszubehörhändler finden wir leider nicht.
Etwas später klopft es bei uns am Schiff. Zuerst dachten wir es ist einer vom Hafen, aber es war nur ein Italiener, der uns Wein verkaufen wollte. Er sprach kaum englisch, und wir ja kaum bis gar nicht italienisch. Er wollte für einen 5 Ltr. Kanister Wein zunächst 40,- € haben. Nein! Solche Kanister hatten wir schon im Supermarkt für 10,- € gesehen. Wir winken ab und argumentieren, dass wir dafür kein Geld haben. Immerhin haben wir ja keinen Job mehr und müssen mit dem Wenigen was wir haben, so weit wie möglich kommen. Michael will den Kanister wieder zurück geben, doch der Italiener winkt ab und geht mit dem Preis auf 35,- € runter. Wir aber bleiben stur. Das Spiel geht so weiter bis der nur noch 15,- haben will. Ok, hier stimmen wir zu. Ist zwar immer noch teuer, aber wir haben uns das Schleppen des Kanisters gespart, und unsere Weinvorräte neigen sich ja auch langsam dem Ende zu.
Anja fühlt sich leider immer noch nicht besser, und der Wetterbericht (Michael glaubt zwar nicht mehr an die Vorhersagen, aber an etwas muss man sich ja halten) sieht für die kommenden zwei Tage auch noch Gegenwind und unangenehme Wellen aus der Richtung vor, in die wir wollen. Erst am dritten Tag soll der Wind drehen. Also beschließen wir noch einen Tag länger am kostenlosen Stadtkai zu bleiben, wo wir sogar kostenloses WIFI haben.
So, jetzt kann Sardinien langsam kommen. Je nach Wind planen wir etwa 5 bis 9 Tage für die nur 150 Seemeilen ein. Aber der Wind kommt eben auf der Strecke meist von vorne.
Wir werden sehen……
Überfahrt nach Sizilien 04.08.-11.08.15
von Anja und MichaelHeute vor 10 Tagen sind wir zu unserer ersten großen Überfahrt nämlich von Kreta nach Sizilien aufgebrochen. Es ist schwierig nach einer gewissen Zeit sich an jeden einzelnen Tag zu erinnern, aber wir versuchen, die wichtigsten Erlebnisse unserer Überfahrt aufleben zu lassen. Während der Fahrt war uns es leider nicht möglich, in die Tasten zu greifen. Entweder ist man so mit den Arbeiten an Bord beschäftigt oder man kocht, schläft bzw. hat gerade keine Muse für’s Schreiben. Zudem erschwert die Schaukelei und teilweise Schräglage des Bootes noch, dass man sich in Ruhe hinsetzen kann, um klare Gedanken zu fassen. Michael hat glücklicherweise trotz allem fleißig immer das Logbuch beschrieben. Das nehmen wir nun für die Berichterstattung zur Hilfe.
Unser erster Tag auf See war geprägt von leichten Winden und vielen, vielen Flauten. Das nervte schon gleich zu Beginn, denn immer bei jedem Windhauch wurden die Segel gesetzt um diese ein halbe Stunde oder Stunde später wieder zu bergen. Bei den Flauten motorten wir dann wieder ein Stück. Noch erhofften wir uns, dass es am nächsten Tag besser werden sollte mit dem Wind. Aber im Prinzip zog sich die komplette Fahrt in dem Stil durch.
Die Nachtwachen teilten wir uns so ein, dass Anja von 21-23 Uhr als erstes das Steuer übernahm. Michael hatte die Nachtwache von 23-02 Uhr, Anja dann von 02-05 Uhr und Michael dann wieder von 05-08 Uhr. Diesen Rhythmus hielten wir die Zeit auf See über ein.
Am zweiten Tag (05.08.) hatten wir überwiegend schwache Winde mit 2-3 Beaufort. Wir konnten endlich mehr segeln. An dem Tag schafften wir stolze 55 Seemeilen und mussten nur 3 Stunden motoren. Leider stimmten die Windrichtungen und die Windstärken in keiner Weise mit den Vorhersagen überein, somit kreuzen wir. Aber was sollten wir auch machen…weiter geht es. Wir kommen schon irgendwie an unser nächstes Ziel (Sizilien). Leider haben wir uns selbst unter Zeitdruck gestellt, indem wir unbedingt auf Sardinien und Korsika Freunde treffen wollen, die zu einem bestimmten Zeitfenster dort vor Ort sind. Aber auch wollen wir bis zu den kommenden Herbststürmen in Frankreich sein.
In der Nacht nahm der Wind auf 3-4 Beaufort zu. Wir verkleinerten das Vorsegel und setzten unsere Fock I, da wir nachts noch nicht unter voller Beseglung einfach aus Sicherheitsgründen bzw. Unerfahrenheit segeln wollten. Langsam aber sicher sprechen wir an Bord über Heimweh und über die Dinge, die wir doch sehr von unserem alten Zuhause vermissen.
Der dritte Tag bescherte uns wieder Schwachwinde und viele, viele Flauten, die wir unter Motor überbrückten. Eigentlich hatten wir ja gesagt, dass wir Flauten ganz einfach aussetzen und auf Wind warten. Aber durch die Tatsache, dass wir Ende August in Sardinien sein wollen, müssen wir es eigentlich laufen lassen. An Bord diskutieren wir zum ersten Mal darüber, ob wir motoren sollen oder die Flauten abwettern. Aber wann kommt eine Wetterbesserung, sprich Wind zum Segeln? Die Frage konnte uns leider keiner beantworten. Zudem nervte es gewaltig, wenn die Segel von der Dünung hin und her geschlagen werden. Die Triskèle wiegt sich hin und her und somit auch dass komplette Segelgeschirr. Mit jedem Hin und Her fliegen scheppert es zudem in den Bordstaufächern. Es knarrt, quietscht und klappert. Von den Nachwachen sind wir zudem auch unausgeschlafen und angespannt zugleich. Derjenige, der sich während der Nacht zum Schlafen hinlegen möchte kann meist nicht gleich einschlafen bzw. wird durch das Scheppern und Rollen der Yacht meist noch eine Weile wach gehalten. Nachts herrscht reger Schiffsverkehr und der Wachhabende muss volle Konzentration behalten. Mitten in der Nachtwache von Anja werden wir 3 Mal von einem nahe an uns vorbei fahrenden Frachter angeleuchtet. Was soll denn das? Anja ruft nach Michael, der verschlafen an Deck stürmt. Der Frachter war ganz schön auf Tuchfühlung, aber dreht bei und verschwindet dann auch gleich in der Dunkelheit. Wir rätseln noch lange auch am nächsten Tag, was diese unheimliche Begegnung zu bedeuten hatte.
Auch am vierten Tag (07.08.) bessern sich die Windverhältnisse nicht und zehren ganz schön an unsere Nerven. Wir kommen nur langsam voran. Am späten Nachmittag und am Abend war ein Segeln mit 2.5 Knoten möglich. Für die Nacht beschließen wir jedoch, mit Motor weiter zu fahren um auch manövrierfähig zu bleiben. Nachts im Dunkeln einem Frachter nicht ausweichen zu können, das wäre nicht so der Hit! An dem Tag schafften wir nur 28 Seemeilen wobei wir noch 12 Stunden motort sind.
Wir sind eben noch unerfahren und müssen uns noch an so viele Dinge gewöhnen. Woher sollte die Erfahrung auch kommen, wenn man diese nicht bei solchen Ereignissen sammelt? Dennoch sprechen wir wieder das Heimweh an. Es gibt viele Dinge, die wir von Land her vermissen. Besonders Michael plagt das Heimweh. Fix und alle fahren wir mit Motor durch die Nacht und beobachten kritisch die leichten Gewitter in der Ferne. Michael wird zudem noch von Rückenschmerzen geplagt. Hoffentlich bessert sich sein Zustand in den kommenden Tagen. Er kann kaum mehr richtig laufen und quält sich bei jedem Schritt.
Schadensmeldung vom Boot durch das Gewitter: Eine Lasche am Großsegel hat es durch das Schlagen im Wind aufgefetzt und die darin enthaltene Stabilisationslatte ist über Bord gegangen. Latten hätten wir an Bord, jedoch müssen wir die Lasche nähen lassen oder selbst versuchen zu nähen.
Am sechsten Tag auf See (09.08.)war das Meer vom gestrigen Gewitter noch ziemlich aufgewühlt. Wir allerdings auch noch. Michael nimmt Schmerztabletten für den Rücken ein.
Der Wind kommt am siebten Tag aus Nord mit ca. 2 Beaufort. Wir können bis 17 Uhr segeln. Dann zieht jedoch ein Gewitter auf, wir drehen bei und warten bis das Gewitter vorbei ist. Nicht noch einmal wollen wir mit dem Bergen der Segel zu spät dran sein. Dieses zieht jedoch nicht über uns hinweg. So haben wir nur die Ausläufer mit Wind und Wellen. Während der Zeit des Beidrehens kochen wir uns etwas Gutes zu Nacht. In der Nacht können wir gerefft segeln. Michael wird nun jedoch ungeduldig und will langsam endlich ankommen. Um Mitternacht sind es noch etwas 60 Seemeilen bis Messina/Sizilien. In der Nacht schläft der Wind wieder ein und wir drehen uns im Kreis. Es ist kein Vorankommen mehr.